2014/08/01

[vacanza] - Gorch Fock (I) in Stralsund


Vor dem Ozeaneum von Stralsund machten wir einen Abstecher auch die Gorch Fock (I) - also die eigentliche oder auch vorherige, die sozusagen direkt vor dem Meeresmuseum im "Hafenbecken" "vor Anker" liegt. Aber die Sache ist ein bisschen kompliziert zu erklären.

Die meisten wissen wohl, dass die Gorch Fock ein Segelschulschiff der Deutschen Marine ist. Die, welche heute unter dem Namen segelt, ist aber das 1958 gebaute Schiff. Ihr Heimathafen ist also Kiel.
Das Original - was man hier auf den Bildern sieht - wurde 1933 gebaut und gehörte entsprechend zum deutschen Reich, unter dessen Flagge es bis 1945 segelte.

Mit einer Länge von 82,1 m ist das Schiff auch für mich Landratte eine mächtige Erscheinung. Es ist gute 12m breit und hat einen Tiefgang von 5.30m und eine Höhe von über 37m. Sieht man die alten Bilder dann sieht die Gorch Fock I mit ihrem 23 Segeln im Prinzip aus, wie man sich so ein mächtiges Segelschiff immer vorstellt, für mich ist sie daher sowas wie meine Vorstellung von einem Segelschiff. Die meisten sind aber um einiges kleiner. Aber ich kenn mich ja da eher so null aus.


Zwischenzeitlich war sogar die Versenkung der alten Dame beschlossen, um sie nicht der Sowjetarmee zu überlassen. Im Gefecht  - ein 45-minütiger Beschuss - fing sie dann aber drei Granat-Treffer und so begann die Versenkung um 2 Uhr nachmittags des Folgetages. Das Unternehmen war (zum Glück) nur semi erfolgreich, denn die Masten waren wohl noch weithin sichtbar.

Nach Ende des Krieges beschloss man dann also die Bergung, da sie als Reparationsleistung der Sowjetunion zugesprochen wurde.
1947 begann man also mit der ungewöhnlichen Bergung inklusive stehender Masten, am Ende kostete das Ganze 800.000 Reichsmark. Denn die Sache war nicht so einfach, und das Schiff brauchte danach in Rostock und Wismar so einige Reparaturen.

Ab 1947 segelte sie dann unter russische Flagge und unter dem Namen Tovarishsh - zu deutsch „Kamerad“. Sie wurde schnellst bald Segelschulschiff der sowjetischen Marine, umsegelte 1957 die Welt und gewann in den 70iger Jahren zweimal die Operation Sail.

Nach Auflösung der UDSSR gelangte das Schiff in ukrainische Hand. Dort segelte sie bis 1995, dann wurde festgestellt, dass sie wieder einige Reparaturen benötigte, was sich als zu teuer herausstellte.
Nichtsdestotrotz wurde sie zur Expo 2000 am Meer nach Wilhelmshaven gebracht, wo sie als Flaggschiff diente.

Und so kehrte sie 2003 (offiziell unter deutscher Flagge) mit grossen Hallo nach Stralsund zurück, wo 2004 mit den Instandsetzungsarbeiten begonnen wurde. Dabei wurde 2005 auch sämtliche überflüssige Technik entsorgt und vier Hilfsdieselmotoren eingebaut. Ein erster Schritt in Richtung Seetüchtigkeit der alten/ersten "Gorch Fock"

Laut Wikipedia hängte es von den erforderlichen Geldmitteln ab, [ob die „alte Dame“ wieder in See stechen oder stationär im Stadthafen von Stralsund bleiben wird ...].
Momentan sind die Besucherzahlen seit 2011 stark rückläufig. Ich fand den Besuch mit 4,50EUR Eintritt jetzt nicht günstig, aber man sollte es als Spende sehen. Interessant war es in jedem Fall. Und majestätisch sieht die Lady auch ohne "ausgefahrene" Segel aus. Allein die Takelage ist mehr als beeindruckend. Man darf in das Innerere der alten Lady, es gibt einige interessante Einblicke und einige Museumsstücke.
Insbesondere die technischen Errungenschaften aus der Sowjetzeit des Schiffes waren doch ziemlich spannend, so gibt  es alte Telefone, Funkgeräte und natürlich nautische Geräte zu bestaunen.

Die Betreiber bieten auch Knotenschulen und Riggtraining auf dem 12 Metermast an (zusätzlich zum Eintritt), und man kann Kaffee und Kuchen, Gulasch oder ähnliches in der Messe einnehmen. [Darüber hinaus dient das Schiff als Veranstaltungsort für standesamtliche Trauungen und daran anschließende Hochzeitsfeiern.] 





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