2013/11/06

Sharing Holidays - Happy Diwali


Teelichter in Form einer (Öl(?))-Lampe aufgestellt. 
*** english version available here ****

Kurz nach Halloween wurde ich zu einem Diwali-Fest eingeladen.
Und da ich ja ein Riesenfan der "ge-share-ten" Feiertage einer Nation bin - und nicht umsonst den Nikolaus, den Adventskalender (also Advent als solches) und den Osterhasen in meinem AuPair-Jahr bereitwillig ge-"share"-t habe und dafür Halloween und Thanksgiving mitgenommen habe -, bin ich bei so etwas ja immer gerne dabei. Bisher hatte ich wenig bis keine Berührung mit der indischen Kultur, was auch bedeutet dass ich äusserst vorurteilsfrei bin.  Beste Vorraussetzungen für ein Kennenlernern.

Nichts ist toller, als die Traditionen eines Landes über seine "besonderen Tage" kennenzulernen. Das ist wie kultureller Kurzurlaub, ich bin jedes Mal begeistert und fasziniert zugleich.

Diwali ist das indische Lichterfest, vielleicht hat der eine oder andere Leser im Oktober/November vor diversen Türen angezündete Kerzen gesehen. In unserem alten Haus passierte das Hin und wieder, nicht immer waren alle anderen Nachbarn verzückt. (Das deutsche Sicherheitsdenken steht da vielen im Weg.) Vermutlich sind die Bewohner Hindus.
Japp, natürlich begrüssten uns die indischen Freunde in
traditioneller Kleidung 

Dabei bedeutet Diwali (manchmal auch Dipavali, Divali oder gar Deepavali geschrieben) in den Landessprachen Hindi "Andordnung von Lichtern"und in Tamil "Weg des Lichts".
Es ist also ein Lichterfest, etwas das ja in sehr vielen Kulturen vorkommt, habe ich doch auch Chanukka (gesprochen mit hartem CH vorne) - also dem jüdischen Lichterfest - in meiner ersten Gastfamilie beigewohnt.
Diwali wurde dieses Jahr am 3. November begangen, meine indischen Freunde meinten, dass ein Teil ihrer Familie sogar am 2. schon feiern, da es - wie ja so viele Feiertage - abhängig vom Mond ist.

Teile, des "Altars", ich bin immer wieder beeindruckt über
die Details an den Figuren.

"Essen" für die Götter, und ja ich hab das Foto etwas "bearbeitet"

Wie überall hat das Fest auch in Indien selbst unterschiedliche Bedeutung, prinzipiell kann man aber sagen, dass das um den "Sieg des Guten über das Böse" bzw. "des Lichtes über die Dunkelheit" geht, oder philosophisch entsprechend um das Erkennen der eigenen inneren Stärke.
Interessanterweise ist das in etwa das gleiche, was mir ein schwedisches AuPair über das dortige "Luciafest" gesagt hat., das nicht wirklich viel mit dem christlichen Ursprung, sondern viel mehr mit traditionellem heidnischen nordischen Brauchtum dort zu tun hat.
Weiter möchte ich mich da lieber nicht interpretierend hinauslehnen. Ich finde es nur immer wieder spannend, wie viele ähnliche Feste weltweit zelebriert werden, ohne das die zwingend historisch oder spirituell eine gemeinsame Basis vorhanden ist.


Wir wurden mit nett begrüsst und haben den - für uns typisch indischen - roten Punkt auf die Stirn bekommen. Dieser war überraschenderweise eher sehr kalt (irgendwie hatte ich da eher was warmes erwartet), und leider fiel ein Teil davon auch ab. Und typisch deutsch war meine grösste Sorge, die helle Couch nicht zu beschmutzen. Ja ein jeder kann nicht aus seiner Haut.
Das Symbol wird "Bindi"(Hindi) oder "Tika" genannt und ist eine Art Segenspunkt. Es gibt - wie ich durch googeln erfahren habe - zwei Bedeutungen dafür.

  • Die erstere rein mythische Bedeutung gibt dem "Rot" (wie die einfache Übersetzung lauten könnte) Stärke, es fungiert als eine Art "Drittes Auge". Im Indischen wird dem Bereich zwischen den Augen "der Sitz der verborgenen Weisheit" zugewiesen, und somit ist das "Bindi" auch eine Ehrerbietung oder auch Hilfe, oder eben Segen. 
  • Die zweite Bedeutung ist eher historisch kulturell zu betrachten. Es ist hier ein soziales Symbol. Im Norden wurde es ausschliesslich von verheirateten Frauen getragen, im Süden hingegen schon immer  Vorrecht aller Frauen ein "Bindi" zu tragen. Heute ist es eben auch eine Modeerscheinung und kann in fast allen Farben vorkommen, und Kritiker bemängeln, dass es zu eine Art Accessoire passend zum Outfit verkommen ist.

Also vermute ich mal stark, dass an einem Lichtfest die erstere Bedeutung die Wichtigere ist.
Wunderkerzen musste statt Feuerwerk herhalten,
aber immerhin ein bisschen "magisches Licht" 
Entsprechend ist Licht ein wichtiges Element, ob kleine (Öl)-Lampen, Kerzen oder sogar elektrische Lichterketten an Bäumen, Häusereingängen und sogar Dächern. Wie bei uns zu Weihnachten erleuchtet sich die Stadt. Auch Feuerwerke und viel Geräusch ist Teil des Festes, da hat man leider in Deutschland mit seinen harten Feuerwerksrichtlinien wenig Chancen.

Zum Glück habe ich noch ein paar alte Wunderkerzen in meinem Keller gefunden, - wie die den Umzug überlebt haben ist mir zwar schleierhaft, aber ich konnte damit sehr grosse Freude erzeugen. Mir wurde sogar gesagt, ich hätte den Tag gerettet. Soweit würde ich nicht gehen, aber die Freude und das Strahlen darüber hat mich sehr erfreut.

Wie ich damals unendlich glücklich über meinen winzigen Weihnachtsbaum im Zimmer während jenes AuPair-Jahres war, so haben diese kleine Kerzen das Herz meiner indischen Freunde erhellt. Hach, wenn doch alle immer so einfach glücklich zu machen wären.

Zugegeben mich fasziniert der Sari mehr als die Wunderkerzen,
aber zu sehen, wie glücklich ein kleiner Kellerfund machen kann,
war auch eine wirklich schöne Erfahrung. 
Es gab leckeres, vegetarisches indisches Essen und ein paar Fachsimpeleien der Inder untereinander, sprachlich, über Essen und Traditionen.

In dem Sinne, Happy Diwali und schaut doch nächstes Jahr am 23. Oktober etwas genauer hin, vielleicht könnt ihr auch Nachbarn ein klein wenig glücklicher machen.  :P

Kommentare:

Consuela hat gesagt…

Das ist ja toll! Ist schon interessant, wie in anderen Kulturen gefeiert wird. Vielen Dank für die kleine Reise :)

LG, Consuela

Kalliope hat gesagt…

Danke für's Teilen und auch für die Hintergründe dazu! Habe mich richtig mit deinen Freunden mitgefreut, dass ihnen die Wunderkerzen so sehr das Fest gerettet haben. Eine wunderschöne Geschichte!

momo hat gesagt…

Bitte bitte, ich weiss sogar dass sich die beiden gefreut haben, dass ich das ganze geshart habe und ein bisschen "Awareness" - also sowas wie Kulturkunde - dem ganzen gebracht habe. Okay meine Reichweite ist - zum Glück - äußerst begrenzt. Aber es freut mich, dass ihr das interessant findet. Vllt. sollte ich sowas öfter hier rein bringen.