2013/08/29

Die Schwerkraft wirkt so, als hätte man die Erde und den Mond mit einem unsichtbaren Band miteinander verbunden...

Rezension: Isabel Abedi "Lucian" [Hardcover - deutsch]

Viele meiner Lieblings-Buchblogger haben diese Buch als "ihr Buch" auserkoren. Also lange ein Wunschbuch meinerseits, und endlich habe ich es relativ günstig als gebrauchtes Exemplar zufällig erstanden. Also eine hohe Erwartungshaltung an Isabel Abedis Erfolgsbuch. Schon lange wollte ich in ihre Jugendbuchwelt abtauchen, habe schon sehr viele gute Rezensionen über - an sich - alle ihre Bücher gelesen. Aber irgendwie ist nie eins bei mir gelandet. Aber naja, ich lese ja oft Erfolgsschlager erst sehr spät und nach dem Hype.

[Verlagstext]: "Immer wieder taucht er in Rebeccas Umgebung auf, der geheimnisvolle Junge Lucian, der keine Vergangenheit hat und keine Erinnerungen. Sein einziger Halt ist Rebecca, von der er jede Nacht träumt. Und auch Rebecca spürt vom ersten Moment an eine Anziehung, die sie sich nicht erklären kann. So verzweifelt die beiden es auch versuchen, sie kommen nicht voneinander los. Aber bevor sie noch erfahren können, was ihr gemeinsames Geheimnis ist, werden sie getrennt. Mit Folgen, die für beide grausam sind. Denn das, was sie verbindet, ist weit mehr als Liebe."

Worum geht's?
Rebecca ist ein typischer Teenager - an sich mit typischen Teenager Problemen. Naja nicht so ganz, zum einen lebt ihre Mutter glücklich mit ihrer Partnerin zusammen, sie hat ein halbwegs gutes Verhältnis zu ihrem Vater, der eine zweite Familie in Los Angeles gefunden hat und mit ihrer besten Freundin versteht sie sich bestens. Natürlich gibt es einen ExFreund und natürlich nervt die Schule - grade ihr Englisch Lehrer geht ihr mächtig auf den Senker. An sich also ein ganz normales Leben. 
Aber irgendetwas fehlt, irgendetwas tief in ihr drin, wie ein kleiner feiner Haarriss, kaum spürbar und doch da - stetig, immer. Etwas fehlt. Nur was? 
Und dann ist da dieser Junge, verstörend und trotzdem kann sie sich ihm nicht entziehen.  Der Junge ohne Vergangenheit. Und plötzlich wird aus der sonst so verlässlichen Rebecca, jemand den ihre Mitmenschen kaum wieder erkennen. Und die ziehen die Reisleine. Und trotzdem wird nichts mehr so, wie es mal war.

Sprache:
Das die Autorin ganze 13 Jahre als Werbetextertin gearbeitet hat, merkt man im besten Sinne. Lucian liest sich weg wie nichts, nichts worüber man stolpert, beinah mühelos. Und doch schafft es Abedi ihren Figuren Tiefe abseits des Geschichte zu geben. Zwischen und in den Zeilen, überall und nirgends. Eigentlich ein Traum. Und  doch habe ich hin und wieder die Augen gerollt. Nicht ob eine bestimmten Stelle... Und ehrlich das ist Jammern auf extrem hohen Niveau, aber gerade weil alles so perfekt war, fehlten mir die Kanten.
Auch in Lucian hat die Hauptfigur Rebecca einen massiven Aussetzer. Wir kennen das aus Twilight. Auch wenn hier die Umsetzung eindeutig sehr, sehr, sehr viel besser ist. Aber es gab Momente da dachte ich so - echt jetzt? - weil, obwohl durchaus plausibel, erschien mir vieles merkwürdig. Eltern verhielten sich elternhaft, aber irgendwie schleppend und auch irgendwie so furchtbar überlegt. Wie gesagt, die Kanten. 
Am besten beschreibt es "rundgelutscht". Es gibt so Designs, da ist alles so perfekt, so rund rum abgestimmt, dass das Endergebnis nicht mehr perfekt ist, obwohl alle Bausteine sozusagen perfekt, weil die Spannung im Objekt fehlt.

Wieso?
Ich tue mich sehr schwer, den Inhalt so zusammenzufassen ohne zu spoilern. Denn kennt man nur ein Teil der Auflösung geht ein Grossteil der Spannung flöten. Deswegen werde ich teile meiner "kurz&gut"-Reihe  hier benutzen.... 



Erste Schritte
Geht fix. Ein normaler Schultag, man lernt Rebeccas Familie und deren Verhältnisse zueinander kennen. Hier gibt es ein Plus, dass es nicht die typische Familie ist und trotzdem eine ohne grosse Dramen... Alle arrangieren sich, es funktioniert, wie eben es in Realität so funktioniert. Nicht perfekt, aber man arrangiert sich. 
Und dann steht da dieser Unbekannt vor dem Haus und alles ändert sich.

Wer ist drin?
Ganz eindeutig die Hauptpersonen sind Rebecca und Lucian. Und obwohl Lucian eine Hauptfigur ist, erfahren wir zu Anfang sehr wenig von ihm. Was auch daran liegt, das Lucian eine Figur ohne Vergangenheit ist. Das ist ein Problem des Buches, und es löst sich anders als man es erwartet. Naja zumindest die meisten. 

Wie liest's sich?
Leichte Parallelen zum zweiten Twilight-Teil waren unübersehbar: hauptsächlich der Aufbau. Der erste Teil ist anders, der zweite fast gleich (Stichwort Depression) - nur dass die Figuren rund rum anders reagieren, ein bisschen echter und realer - und der dritte Teil nicht ganz so übertreibt. Aber das war's auch schon mit der Parallelität. 
An sich ist die Story komplett anders und sehr gut erzählt. Ich hatte halt schnell Vermutungen und bei mir hat sich alles bewahrheitet, das war etwas schade. Mir fehlte die Überraschungen, aber ich hatte auch vorher viel über das Buch gelesen. Das war evtl. ein Fehler. Deswegen versuche ich hier auch eher nichts zu sagen. 

Wo spielt's (Buchwelt &Setting)?
Im hier und jetzt. Ziemlich real. Anfangs Hamburg, später Los Angeles (der Vater lebt dort). Das die Autorin vor Ort recherchiert hat und mit Fotos gearbeitet hat merkt man. Die Spielort sind sehr schön gezeichnet. Man meint fast es sehen zu können, und so haben mich die auf der Webseite gezeigten Fotos nicht überrascht, es war eher eine schöne Ergänzung. 

Wie ist es erzählt?
Locker und leicht, trotzdem tiefsinnig. Alle Figuren machen Sinn, wenn sie sich auch manches Mal in ihrem Tun eher so verfahren und auf der Stelle treten. Keine kann so richtig aus seiner Haut. Das kam mir etwas negativ vor, aber es ist wohl sehr real. Die Konstellation fand ich sehr gelungen. Auch der Umgang miteinander. Man merkt dem Buch an, reales Leben ist nicht immer einfach. 

Gutes & Schlechtes
+ Figuren als solches und deren Konstellation
+ Schreibstil, der ist wirklich einfach wunder-wunderbar
+ das Echte der Geschichte... 
+ einige Details und Nebenfiguren waren sehr überraschend, und das war sehr erfrischend und hat mir sehr gefallen
- das "too much" oder das "Rundgelutschte"... Es ist schwer das in Worte zu fassen, denn ich glaube, man kann meine Argumente auch als gegensätzlich lesen...  
- Das die Geschichte MICH leider nicht überraschen konnte 
- die Ähnlichkeit im Aufbau, auch wenn ich sie als Zitat sehe. Sehr viel besser gemacht. Könnte man auch als Pluspunkt sehen. Irgendwie. 

Fazit
Betonung - nochmal-  ich hab's sehr gerne gelesen. Wirklich. Das Buch ist gut. Aber ich hab mir irgendwie mehr erwartet. Die von mir gelesenen Rezensionen waren Lobeshymnen auf allerhöchsten Niveau, und ich habe nur sehr gut gekriegt. Ihr versteht? Lucian ist tolle Jugendbuch-Literatur und vor allem sehr gut geschrieben, ich werden mehr von Abedi lesen. Mir gefällt ihr Stil Und allein deswegen freue ich mich über das Buch. Nur werde ich demnächst Rezension nicht so ausführlich lesen. Vielleicht sind Lobenshymnen auch etwas "preisgebender" als Kritiken. Wer weiss. 


Fazit:
(4+) - 5 / 6 Sterne

aufgeschlüsselt:
Story: 5 / 6
Sprache: 5 / 6
Charaktere: 4 / 6
Spannung: 4 / 6
fikt.Welt: 5 / 6



Isabel Abedi - "Lucian" - Arena Verlag- Hamburg - 15.Spet. 2009 (erste Ausgabe) - 553 Seiten -  ISBN 13: 978-3401062037

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