2013/08/14

[ 7 | 31 - 3 ] - Ein Buch, dessen Cover Du viel zu bunt findest.

7. Tag von 31 Tage - 31 Bücher, zum dritten:  "Ein Buch, dessen Cover Du viel zu bunt findest."


Meine erste Intuition ist dieses Cover:
Eindeutig ein Kind der 80iger - und sorry - erstmal volle Kanne zu viel, zu viel von allem. Zu viel Farbe, zu viel los, zu viele verschiedene Fonts, bei denen auch noch zuviel los ist, denn die haben Schatten und Umrandungen und aus Designsicht ist das Ganze einfach komplett vor den Baum gefahren. Also massivst, anders gesprochen: das ist eine Massenkarambolage auf der Autobahn, die nicht mehr aufzuräumen ist. ABER....
und das ist ein massives, riesengrosses aber: es passt. Es passt zum unangepassten Schreibstil von Martin Millar, von dem einzigartigen Durcheinander des Inhalts und von den massiv durchgeknallten Charakteren im Buch. Jetzt könnte man argumentieren, naja spielt ja auch in New York, sogar in Manhattan, wenn mich meine Erinnerung nicht trübt. Aber das ist es nicht, die Hauptfiguren sind zum Teil Elfen. Und zwar nicht von der bekannten Sorte. 


Rezension: Martin Millars "Die Elfen von New York" - [Hardcover - deutsch]

Martin Millars "Die Elfen von New York" ist kein Buch für jeden; ich wage sogar sogar zu behaupten, für die wenigstens. Den Millars Schreibstil ist nett formuliert unkonventionell, objektiv wahrscheinlich eher chaotisch zu nennen. Aber Millar und ich leben scheinbar im gleichen geistigen Chaos-Universum und deswegen ist dieses Buch, eins dass mir SEHR am Herzen liegt. Und ich konnte mich auch gar nicht ans Cover erinnern, war es doch eins der Bücher, dass ich - eher so nebenbei - aus der Bibliothek mitnahm, dann zigmal verlängerte und dann doch zurückgab und dann EWIG nicht mehr fand. Hatte ich doch Titel und Autor vergessen. JAHRE habe ich nach dem Buch gesucht, und als endlich gefunden, ein unfassbares vermögen für ein gebrauchtes Buch bezahlt. Aber seitdem in meiner Sammlung ist es eines meiner Schätze. Ein absolutes Herzensstück.

Worum geht's?
Hmh, das ist an sich so gar nicht gut zusammenzufassen. Es geht um Dinnie einen übergewichtigen, menschenfeindlichen und zu allem Überfluss untalentierten Geiger, der - let's face it - Alkoholiker ist und einer dieser Existenzen, die wahrscheinlich nur in New York so überleben. Und mitten in dieses Chaos flattern zwei hübsche kleinen Elfen schottischer Abstammung durch sein Fenster im 4. Stock und ... kotzen auf seinen Teppich. Es geht auch um ein blauhaariges Hippiemädchen, um Punk und Rock'n Roll in New York, das ganze vermischt mit schottischer (und irischer) Folkklore, keltische Rituale, entsetzlich komplizierte Familienclan-Geschichten aus Schottland, und ganz nebenbei um einen einen übernatürlichen Krieg der supernaturalen Kräfte in New York, bzw. der Verhinderung diesem.
Und die Protagonisten? Mit Verlaub, die sind de letzten, denen man so ein Kunststück zutrauen würde. 

Wieso?

Millar ist ein Chaot aber eben auch - aus meiner Sicht - ein Genie. Er versteht es die Figuren aus allen Ebenen, real und Fantasy - so in einer Geschichte zu verweben, dass man sich gar nicht mehr fragt - wieso? Das ganze ist so durchgeknallt und trotzdem in sich schlüssig und ganz nebenbei spürt man in jedem Satz eine so unfassbare Liebe des Autors zu seinen Figuren, die alle voller Fehler sind und - wahrscheinlich mit dem Autor sehr bekannten - inneren Dämonen zu kämpfen haben. Die Sprache untereinander ist eher weniger feinfühlig, da fetzt sich jeder mir jedem, Streit ist durchaus ein durchgängiges Thema, genauso wie Sex (unfassbar trocken geschrieben) und über allem liegt das Chaos und Millars Humor. 
Jemand der Ordnung in seinem Leben braucht, wird dieses Buch nicht lesen können, jemand der alles überdenkt, auch nicht. Man muss sich treiben lassen können, dem Autor vertrauen und ihn einfach machen lassen. Dieses Buch ist für eine Auszeit, oder es beschert einen eine Auszeit, denn ein solches Erlebnis gibt es nicht noch einmal. Aber man muss sich drauf einlassen können. Dieses Buch ist alles oder nichts. Ein Mittelmass gibt es wohl nicht. Für mich ist es ganz oben, sozusagen über allen. Denn dieses Buch schwebt über allen, eigentlich kann es auch gar nicht Teil eine Bemasstabung sein. Aber genau deswegen und trotzdem...    


Sprache:
Sehr anders, sehr chaotisch, sehr trocken. Muss man mögen, muss man sich drauf einlassen können. Kann man aber sehr viel Spass mit haben. Millar ist sehr direkt, teilweise harsch, teilweise ruppig und selten zimperlich. Und trotzdem schwebt zwischen den Zeilen diese Feinfühligkeit seiner Figuren, die er in und auswendig kennt. Ich glaube Millar lebte mit ihnen schon lange in seinem Kopf.

Wieviel Sterne?

 Wer Millar mag dem juckt das Zwerchfell bei fast jedem Satz, und er trifft dabei nicht nur den Nagel auf den Kopf, sondern schon auch mal den grossen Zeh. Man wünscht sich man könnte Inhalt und Schreibstil aus dem Kopf löschen, nur um das noch einmal zu erleben, weil es einzigartig ist. Denn das zweite mal Millar ist voller Erwartungen ... Millar gehört in den Sternenhimmel, denn für mich ist dieses Buch mein heimlicher Star. Aber wie gesagt, ich kenn wenige die ihn mögen. Es mag nur ein Meteorschauer für eine wenige sein. Also mit Vorsicht zu geniessen.

Fazit:
 6 / 6 mit Herzchen und Feuerwerk 

aufgeschlüsselt:
Story: 6 / 6
Sprache: 6 / 6
Charaktere: 6 / 6
Spannung: 6 / 6
fikt.Welt: 6 / 6


Martin Millar - Die Elfen von New York - Eichborn Verlag - Deutsch - 1994 - Hardcover - ISBN: 9783821802886 (früher 382180288X) (für die Nummern keine Gewähr)




* btw: Das Buch kam 1998 noch einmal als Taschenbuch des deutschen Taschenbuchverlags (dtv) mit (man vergebe es mir) sehr merkwürdigen Cover heraus und 2012 mit einem fantastischen PopArt-Cover - im gleichen Verlag. Mir scheint, da gab es einen Freund. 





Und um vielleicht beim Thema Cover zu bleiben, ganz furchtbar fand ich auch das Cover zu "Feuchtgebiete" von Ch.Roche. Aber da hab ich auch eine Antipathie zum Inhalt... Aber das pink??? Ich bitte euch. 

Auch meine Lieblingsreihe über Stephanie Plum der Autorin J.Evanovich greift oft auch extrem kunterbunte Cover zurück, die eher selten mein Geschmack und eher weniger zum Inhalt passen. Allerdings "wurschtelt" sie immer auch die Nummer in den Titel mit ein und kreiert ganz fabelhafte (englische) Buchtitel:

One for the Money | Two for the Dough  Three to get Deadly Four To Score High Five Hot Six Seven Up Hard Eight  To The Nines Ten Big Ones Eleven On Top Lean Mean Thirteen Fearless Fourteen Fingerlickin' Fifteen Sizzling Sixteen Smokin Seventeen Explosive Eighteen Notorious Nineteen Takedown Twenty

Und welches Cover findet Kalliope zu bunt? 

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

-lol- Dann wäre das wohl nichts für mich. Mich machen Bücher ohne Roten Faden total kirre...;-)

momo hat gesagt…

nein, bisher fällt mir keiner ein, den ich das buch so in die hand gedrückt hätte, weil ich wüsste es gefällt demjenigen. Wenn dann sind es menschen die per se nicht lesen und naja, ich glaube es ist kein "start"buch.

ist halt sehr speziell.... aber anderseits ist es überraschend gut bewertet bei amazon, also muss es ja doch fans haben... was ich nun wieder nachvollziehen kann... aber vielleicht irre ich mich ja auch total, udn es würde die total gefallen... denn es hat einen roten faden... einen durchgeknallten zwar, aber ein ziemlich durchgezogenen roten faden...

Kalliope hat gesagt…

Hmm...irgendwie klingt das schon ganz schön spannend. Na, ich behalte es mal im Hinterkopf, vielleicht packt es mich doch noch. :)

momo hat gesagt…

Ich glaub es ist deswegen so durchgeknallt weil es durch udn durch aus antihelden besteht, keine figur entspricht ihrem klische und vorurteil, die elfen sind nicht fein und niedlich, haben ein extremes mundwerk und fluchen wie keine anderen... und das setting ist genau richtig... mir scheint, nur dort kann die geschichte funktionieren...
mich hat sie damals verzaubert und kam mir immer wieder in den sinn, als ich tatsächlich ein halbes jahr durch den grossen apfel wanderte/streifte. leider sah ich keine einzige elfe... nicht mal fluchend.