2013/07/08

Leserunde zu "Artikel 5" von Simmons - dritte Woche (Kapitel 10-13)

Grundlegendes und Einführendes zur Leserunde gibt es hier, alles rund um und zu dieser Leserunde hier. Und natürlich auch Kalliopes Gedanken zu dieser Woche, spoilerfrei empfehle ich allerdings ihre Übersicht

Wer sich der Leserunde anschließen möchte, kann das weiterhin gern tun! Wir freuen uns über jeden, der mitmachen möchte, über eure Beteiligung an der Diskussion, über eure Fragen und Anregungen.

Heute stehen bei mir die Kapitel 10-13 im Fokus, das Buch hat übrigens 17 Kapitel. Das Ende wird also bald folgen.


Worum geht's?
Nachdem ich in den letzten 2 Wochen ja schwer mit der Hauptprotagoinistin haderte, nimmt die Story hier echt Fahrt auf und Ember muss sich auch mal selbst beweisen. Denn die Flucht läuft nicht wie geplant. Kurz vor dem ersehnten Ziel geraten sie in die Fänge eines Freilebebenden mit Familie, der aber, so müssen unsere beiden Flüchtenden feststellen. mit dem MM eng zusammenarbeitet - sprich ausliefert. 
Und da sie ihm ihr Ziel verraten haben, ist Lewisburg aussen vor, genauso wie Harrisonburg. Aber ganz unter den Augen der MM - in Knoxville, Tennessee  - gibt es ein Untergrundsystem der Rebellion, das nun Ziel wird. Und dann ist ja noch Problem mit Chase, kann sie ihm vertrauen? Schliesslich hat er sie beinah im Schlaf abgemurkst?

(Achtung:  nach diesem Break geht's es detailreich weiter, also Spoilergefahr)



Was ist drin? Setting/Buchwelt
Nach wie vor fehlen mir die Hintergründe. Aber es wird besser. Je länger ich in der Buchwelt verbringe, desto besser finde ich mich zurecht. Wenn auch ich mir viel zusammenreimen muss. Und ob das so ist, wie die Autorin sich das vorgestellt hat, sei mal dahingestellt. 
Aber durch die Flucht bekommt der Leser mehr mit, vom Krieg. Von den Inselartigen Kolonien der Republik. Von denen die abseits leben. Von den Absperrungen. Von der Massenflucht von den anderen Gebieten. 

Wer ist drin?

Ember, unsere Ich Erzählerin, fängt an vermehrt über den Tellerrand zu schauen und Fragen zu stellen. Zwar scheint sie immer noch im alten Leben verhaften - und das scheint mir real - wenn sie sich zwischendrin immer mal wieder fragt, was ihre "alten" Freunde zu der Situation sagen würden. Aber sie ist und bleibt ein bisschen naiv. Sie mag sich tough sehen, aber die Aussensicht ist eine andere. 
Chase Charakter hingegen wird immer tiefer. Das ihm mehr zugestossen ist, als er Ember wissen lassen will, war ja von Anfang an klar. Wie tief das geht, aber nicht. Zwar vermutet der aufmerksame Leser immer wieder was, aber in den letzten Kapiteln wird es mehr als deutlich. Chase hat ein Riesenpäckchen zu tragen. 
Die Mutter spielt nur als Ziel eine Rolle. Die Mutter heil wiedersehen ist die hauptsächliche Motivation von Ember, war mich immer etwas verwundert. In den ersten Kapiteln erlebte ich die Mutter eher als typisch Teenagerlästig - sie verhält sich falsch, zieht Gefahr aus sich... etc. Überrascht und zugleich erfreut (so sehr dass ich über die Ungereimtheiten, die sein Auftauchen zumindest bei mir aufgetan haben, grosszügig hinwegsehen kann) hat mich Sean, der nun wieder Teil des Cast wird. Von Anfang an vermutete ich hinter der Figur viel Interessantes undwar etwas enttäuscht über die kleine Rolle, die ihm bisher zu Teil wurde. 

Wie liest's sich?
Langsam wird es... Wie ich ja schon einleitend erwähnte, nimmt die Geschichte hier endlich Fahrt auf. Die Story wird schneller, Probleme werden problematisch und nicht gleich gelöst. Dinge bleiben erstmal kompliziert, vor allem zwischen Ember und Chase. Aber Ember sieht ihre Zwangslage ein, wenn sie sie auch völlig falsch interpretiert. Aber ganz eindeutig geht die Spannungskurze nach oben und so vermisst man die fehlenden Erklärungen weniger, kann sie einfach hinnehmen, weil sich die Situation der Protagonisten eh bald wieder ändert. So hinterfragt man nur teilweise, wie sich die Familie ausserhalb halten kann, wenn sie doch so enge "Freundschaften" zum MM pflegt. Man erahnt, dass hier das Böse nicht böse per se ist, dass es da mehr gibt, aber man will natürlich auch, dass Ember die Flucht gelingt. Mal abgesehen, dass hier die eingeschränkte Sicht durch Ember hilft.

Wie ist es erzählt?
Ich komme mit Simmons Erzählweise klar, sie stört mich nicht. Allerdings hinterlässt sie mich auch nicht vor Kunstgriffen und tollen Beschreibungen voller Ehrfurcht. Es ist Entertainment und eine gute Geschichte, die etwas mehr Background (wie beispielsweise bei Marie Lu) gebrauchen könnte. Nichtsdestotrotz funktioniert sie und lässt mich weiterlesen. Allerdings hätte die Spannungskurve nicht angezogen, wäre ich auch langsam schwer gelangweilt gewesen. 

Zitate


"We detached like the wrong ends of two magnets, and what had felt so solid between us shattered like brittle glass. Having forgotten anyone else was present, we now faced the rancher." (Simmons, 61%, Pos. 2885)

"The Schism between the government and the people had never felt wider.
The MM had taken away my life." (Simmons, 65%, S.238)

"Still, his scars, combined with the serpentine wound now visible without the bandage covering his shoulder, made him all the more dangerous.
He was, to me, terrifyingly beautiful." (Simmons, 66%, S.241)

"Chase's acknowledgement of the separate entities within himself should have made me feel better but it only made me feel worse. I couldn't stand being near him any longer. Dawn couldn't come fast enough." (Simmons, 71%, S.260)

"There was nothing crawling on my hand. There was, however, a thin gold gand around my left ring finger. [..]
'You married me while I was sleeping?' I asked in amazement.
[..]
'You hit me for kissing you. It seemed in my best interest to marry you while you were passed out." (Simmons, 72%, S.263)

Gutes & Schlechtes
+ einfaches Englisch
+ Flucht als Dystophie-Element funktioniert immer
+ Chase Charakter

+ Spannung und Zeitdruck
+ Cliffhanger am Ende des 13 Kapitel. kann nur noch furios werden!

- weiterhin die Hintergründe des Settings
- Integration Traumsequenzen
Embers Charakter
- die Zeiten sind jetzt ganz schön gerafft 
"Two days passed, and in them we ate, we slept, and talked little. Time was dwindling down. By the time the sone rose on Monday, a strained urgency had taken us. We had less than a day to find the checkpoint." (Simmons,  Pos.2771, 59%)


(bisheriges) Fazit

So langsam bin ich wieder am Buch interessiert. Wenn mir auch das Buchsetting als solches unzureichend erklärt finde,  bekommen nun die Charaktere viel Tiefgang und das in einer äusserst merkwürdigen Welt. Langsam ergibt es in meinem Kopf Sinn. Eine solch "strange" Umgebung, muss komplizierte, absolut merkwürdige Charaktere hervorbringen.  So langsam mag ich es... Ausserdem endet Kapitel 13 mit einem von mir erwarteten Cliffhanger, ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt... 


 Fazit: 4.5 von 6 Sternen 
aufgeschlüsselt:


Story: 4 / 6
Sprache: 3 / 6 
Charaktere: 5 / 
Spannung: 5 / 6
fikt.Welt: 4 / 6 

Article 5  - Kristen Simmons - Tor Teen - 8. Jan 2013 - [englisch] - ISBN-10: 0765329611 - ISBN-13: 978- 0765329615 - Paperback [384 pages]

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Das ist ein guter Hinweis: In so einer verqueren Welt, kann es wohl nur verquere Gestalten geben. ;)
Dass Sean nochmal auftaucht, hätte ich nicht erwartet. Eher noch Rebecca, weil Simmons sich ja zu Beginn so viel Zeit für sie genommen hat. Aber von ihr keine Spur... Dennoch es interessant, dass Sean wieder dabei ist. Mich hat sein Sinneswandel so überrascht - und auch nicht so ganz überzeugt. Dass das System barbarisch ist, hat er doch vorher genau so gewusst, als Soldat hatte er ja so richtig den Einblick in die ganzen Untiefen. Und Rebecca hat ja die Ausweglosigkeit ihrer Situation als Paar mehr als deutlich betont. Wie glaubwürdig ist denn ein Widerstandskämpfer, der eigentlich nur aus der Not heraus agiert, so nach dem Motto: "Na gut, mitschwimmen hat irgendwie nicht geklappt, dann tauche ich jetzt halt in den Untergrund ab." Denn er wurde doch wohl unehrenhaft aus der MM entlassen, oder habe ich das falsch verstanden?

momo hat gesagt…

Siehst du, und ich hatte gedacht, dass Rebecca das für sich lösen kann, denn sie schien sich ja mit der Welt ganz abgefunden zu haben, und Möglichkeiten für sich gefunden zu haben, Dinge zu umgehen.
Dass Sean jedoch Probleme kriegen würde (angeblich war ja Besserungsanstalt-Aufpasser eh schon unterste Stufe), war mir klar. Weil gerade da ja doppelt aufgepasst wird und ja auch vermehrt Arschlöcher dahinkommen. Das man da als noch halbwegs gerade denkender eher Probleme kriegt und aussteigen muss....Und mit solchen Geheimnissen, hast du dann bei der Rebellion natürlich gute Karten... so gesehen...

Kalliope hat gesagt…

Das stimmt natürlich! Da war ich nicht aufmerksam genug beim Lesen. Aber jetzt, wo du es schreibst... Ich hab' in den ersten Kapiteln kaum auf Sean geachtet, weil er für mich eben einfach ein hirngewaschener Soldat unter vielen war. Aber das mit der untersten Stufe und der Bestrafung, in der Besserungsanstalt eingesetzt zu werden, stimmt natürlich.

Aber ich vermute ja mal ganz stark, da es ja Folgebände gibt, dass Sean und Rebecca darin durchaus noch ihre Rollen spielen werden. Er sucht ja anscheinend gerade nach ihr.