2013/06/17

Leserunde: Woche I - das Vorspiel

Grundlegendes und Einführendes zur Leserunde gibt es hier.

Leserunde mit Kalliope zu "Artikel 5" von Kristen Simmon

Für die Leserunde entschieden sich Kalliope und ich, vor nicht allzu kurzer Zeit, als wir feststelleten, dass alle Welt in Leserunden liest, nur wir nicht. Nun sind wir beide nicht die größten Fans von Lesefortschrittspost, mich interessieren die Gedanken zu einem Buch viel mehr. Aber eher aus der Motivation, ob es mir auch gefallen könnte, als mit ein vollständige Buchbesprechung und Überinterpretation zu lesen.

Ich bin schon immer ein Verfechter der Theorie, dass ein jedes Buch für jeden individuellen Leser anders ist, - für mich ist der Leser mit seinem Background (seinen Erfahrungen, seiner Lebensituation und auch seinen Launen) ein bißchen auch Autor, genauergesagt sehe ich Autor und Leser als Team, die zusammen ein - auch zeitlich - individuelles Leseereignis schaffen. Für mich meist ein einmaliges Erlebnis, und das obwohl ich riesiger Fan von rereads (also Nochmallesen) bin. Ich finde es faszinierend, wie sich meine Leseerlebnisse mit der Zeit ändern und manchmal sogar komplett umkehren können.

Zumindest zum Teil stimmt mir da Kalliope zu, wie ich weiss. Und trotzdem sich unser Buchgeschmack vielleicht nur zu einem Viertel oder gar Fünftel überschneidet, schätze ich ihre Meinung sehr. Sie ist öfter der Grund, dass ich lesetechnisch über den Tellerrand schaue und genrefremd lese. Und oft trifft sie da bei mir ins Schwarze. Also ein guter Grund zusammenzulesen.


"Artikel 5" gehört zu diesen Fünftel. Es machte uns beide neugierig, und auch wenn es in die gerade sehr populäre Dystophieeuphorie schlägt, scheint es ein Buch, dass viel Spielraum für eigene Gedanken lässt, ohne eine Moralkeule zu schwingen.
Und wie Kalliope interessiert mich, wie nun Simmons düstere Version ihres Heimatlandes aussieht. Wie es funktioniert. Und wie die Menschen darin ihren Platz finden, wie sie auf ihre Umwelt reagieren. (Gerade wenn man in die Türkei blickt, ein interessanter Aspekt). Und gerade weil Dystophien geradezu den Buchmarkt überfluten, bin ich neugierig wie sich "Artikel 5" vom Rest abhebt, - ob es sich abhebt. Aber viele gute Rezensionen machen mir Mut.

Und ich bin gespannt, auf das Experiment als solches gespannt, wie wir das mit dieser Leserunde so hinkriegen, und ob es uns gefallen wird. Es ist lange her, dass ich ein Buch nach Zeitplan gelesen habe, und wenn ich ehrlich bin, habe ich das zumeist gehasst. Ich hasse es, wenn mir jemand vorschreibt, wann ich Lust auf welche Lektüre zu haben habe. Weswegen ich meist Schullektüre vorher schon gelesen hab(die Guten), bzw versucht habe mich zu drücken(die Schlechten). Meist galt, je länger, wir ein Buch zerredet haben, desto mehr wanderten von Gut zu schlecht...

Bei diesem Buch, bin ich aber genau im Plan, gekauft aber noch nicht reingeblickt. Mit dem momentanen Sommerwetter erhoffe ich mir, aber ab heute Abend lauschige und spannende Stundem auf meinem Balkon auf dem kindle in englisch (also Originalsprache).
Sollte jemand mit mir lesen wollen, schlage ich #leserunde und #artikel5 als twitter hashtags vor. Entsteht eine interessante Diskussion, werde ich auch sicher darüber posten.

Frage an Kalliope und Mitlesende: Lest ihr mit oder ohne musikalische Begleitung? Und wenn ja welche?

Wer sich der Leserunde anschließen möchte, kann das weiterhin gern tun! Wir freuen uns über jeden, der mitmachen möchte, über eure Beteiligung an der Diskussion, über eure Fragen und Anregungen.

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Jap, stimme dir in deiner Theorie absolut zu! Deswegen passen manche Bücher einfach nicht zu manchen Lesern. Und umgekehrt gibt es da perfekte "Teams"...

Zu deiner Frage: Du wirst lachen, aber eindeutig ja. Denn: Ich lese ja, wie neulich mal in einer Mail geschrieben, hauptsächlich am Vormittag, wenn mein Kleiner sein Vormittagsschläfchen macht. Und da hat es sich über die letzte Zeit so eingespielt, dass er in der Manduca geschaukelt wird zu Irish Folk von Noel McLoughlin - ich liebe diesen Mann, weil mein Sohn seine Musik liebt und er dabei sooo schön einschläft. Herrlich - denn den Schlaf braucht der Kleine so dringend und findet ob seiner Neugier auf die Welt so schlecht hinein. Ja und wenn er dann selig schlummert, wippe ich durch die Wohnung, lausche den Klängen im Hintergrund und schlage meine aktuelle Lektüre auf... - und das, wo ich es eigentlich gar nicht leiden konnte, beim Lesen Musik laufen zu haben, aber was tut man nicht alles. - Früher habe ich oft Musik gehört, während ich gelesen habe, oder auch beim Lernen. Lustig war dann, dass sich bei mir im Kopf der Inhalt und die Musik verbunden haben. Wenn ich dann eine bestimmte CD wieder höre, denke ich an das Gelesene. Und einmal ging es mir in einer Mathearbeit so, dass ich die ganze Zeit die Red Hot Chili Peppers im Kopf hatte, weil ich beim Lernen das Album "Californication" rauf und runter gehört hatte...

Wie hälst du das? Hörst du beim Lesen Musik? Wenn ja, bestimmte je nach Buch?

momo hat gesagt…

Hab ich doch meine eigene Frage vergessen:

Ja ich höre oft Musik, zumindest Hintergrund-Geräusche, da ich oft abends im Bett lese, wenn der Held TV schaut.

Sonst (gerade in der Strassenbahn) war es Oft einfach iPod, je nach Genre und Buch Rock, Hardrock, Metal. Und ja das geht, gerade bei leichter Literatur wie YA.

Je schwerer die Kost desto leichter wird die Musik. Und wenn ich mich arg konzentrieren muss, wie Sachbücher oder ernste Klassik dann bleibt am Ende Klaviermusik von Yiruma oder Ennio Morricone (sehr, sehr gerne, höre ich auch oft zum programmieren). Oder Klassik.

Das Musik und Buch sich dann vermischen stimmt. Ich hab schon öfter ein Buch als melancholisch eingestuft, was andere so gar nicht fanden. Lag vllt. an der Musik. Wobei ich meist ein Buch ohne Musik anfange und dann entscheide was passt. Aber ja, am Strand, etc lese ich auch schonmal ohne Musik mit ganz leise. Auch schön.

Kalliope hat gesagt…

Mir ging es eine Zeitlang so, dass ich mich nicht mehr auf das Buch konzentrieren konnte, wenn ich nebenbei Musik mit Text gehört habe. Da ging nur Instrumental. Hat lustigerweise nachgelassen. Mittlerweile kann ich akustisch so ziemlich alles ausblenden. Allerdings auch optisch - kennst du das, wenn man eigentlich liest, aber eine Seite später so gar nicht weiß, was dort eigentlich stand, obwohl man wirklich mit den Augen den Zeilen gefolgt ist und alles? Das finde ich irgendwie faszinierend...