2013/06/24

Leserunde - Artikel 5 von Simmons - erste Woche


Grundlegendes und Einführendes zur Leserunde gibt es hier, alles rund um und zu dieser Leserunde hier. Und natürlich auch Kalliopes Gedanken zu dieser Woche, spoilerfrei empfehle ich allerdings ihre Übersicht

Also gut, diese Woche hieß es Buch auf und los.  Und wie man ja an vorherigen Post gemerkt hat, hadere ich hauptsächlich mit mir selbst. Da ich ein Mensch bin, der sich schlecht Dinge merkt, dafür bleiben aber die unmöglichsten Details hängen, habe ich zu Schulzeiten immer wahre Notizkriege bei Buchbesprechungen geschrieben. Mit unterschiedlichsten Farben zu unterschiedlichen Facetten, nicht dass mir das jemals geholfen hätte, ich war immer mies, es sei den es gab eine Kreativaufgaben ala "Schreibe das Kapitel soundso aus Sicht des soundso, flechte in die Geschichte einen allwissenden Nebencharakter ein, usw. " 

Wie ihr wisst, lese ich ja die englische kindle-Version des Buches. Und so hat mein Unterbewusstsein auf 80 Seiten 48 Stellen markiert hat und auch noch gut 14 Notizen angemerkt hat. Normal lese ich anders - sehr viel entspannter. Da markiere ich mal hie und da, wenn ich ein Zitat finde, das postwürdig ist, was ich wiederfinden möchte, so wie ich auch in echten Bücher dann ein Zettel einfüge, oder (so zur Hand) so ein bunten Markieren einfüge, meist unauffällig. Seltens unterstreiche ich in Büchern, manchmal schreibe ich aber mit Bleistift, was daneben. Aber meist weniger. Oft will ich mir selbst einen reread nicht versauen. Ich sehe meine Vergesslichkeit in Büchern eher als absoluten Vorteil. Das sind auch alles Ausnahmen, meist lese ich sogar nebenbei. Ich bin ein sehr entspannter Leser, eine Referenz verpasst? So what?

Mal schauen, wie ich mich schlage, falls ihr euch wundert, ich habe beschlossen, den ersten Teil aus Kapitel 1-4 zu schreiben. Kapitel 5 bringt für mich schon zu viel anderes.

Worum geht's?
Ember lebt mit ihrer Mutter allein. Das allein ist nicht schlimm, nun ja. Im Amerika der Zukunft schon. Nach dem Krieg wird das Land mittels der sogenannten "Moralstatuten" regiert und da ist eine alleinerziehende Mutter, ein NICHT eheliches Kind ein Verbrechen. Und so landet Emder recht schnell in einer "Besserungsanstalt" in denen solchen unzivilisierten Fällen bis zum 18. Lebensjahr Moral und Anstand eingebläut werden sollen. Ember wird so Zeuge der unmenschlichen Methoden der Machtorgane des neuen Staates, wie sie versuchen IHRE Überzeugungen in ihre Untertanen versuchen zu pflanzen. 

(Achtung:  nach diesem Break geht's es detailreich weiter, in den ersten Kapiteln gibt es wohl wenig zu spoilern, aber seid gewarnt)



Erste Schritte

"Beth and Ryan were holding hands. It was enough to risk a formal citation for indecency, and they knew better, but I didm#t say anything." (Simmon, page 9)
Für eine Dystopie liest sich der erste Sätze überraschend normal. Hauptcharakter Ember kommt von der Schule mit Freunden. Aber schon die ersten Sätze zeigen auch die Andersartigkeit der Buchwelt. Wir leben nach einem heftigen Krieg, Amerika ist nicht mehr das Land der Freiheit, aber noch das Land der Moralapostel.

Wer ist drin?
Ich Erzählerin Ember Miller ist ganz klar der Hauptfokus. Wie in vielen YA-Romanen ist sie die Erwachsene im Haus, die Überlegtere, und vor allem die Ängstlichere. Sie will nicht aufpassen, um keinen Preis. Denn sie weiss um die Gefahr. Und so versucht sie zurechtzukommen, wie es eben gerade geht.
"I have never been conventionally pretty: My eyes were big and brown and I had long black lashes, but my eyebrows didn't arch right and my nose was slightly crooked. Now my complexion was ghoulish - [..] - and my cheekbones appeared to prominent, like the last hours had added ten hungry years to my life. The navy uniform was even worse than my school uniform, probably because I resented it a hundred times more. " 
Aber in Ember schlummert auch der rebelliöse Geist ihrer Mutter. In ihrem Haus liegen alte Zeitschriften, ihre Mutter liest Bücher.
Dann sind da noch ihre Freunde Beth und Ryan, die aber schnell an Wichtigkeit verlieren. Chase, der Nachbar und wohl auch "Freund" von Ember erfährt auch kurze Erwähnung, wohl aber hauptsächlich, weil  er als Soldat Teil des "Räumkommandos" ist, dass Ember und ihre Mutter trennt. 

In der Besserungsanstalt, lernen wir Rebecca kennen, die schnell sehr viel Tiefe gewinnt. Erstmal zwielichtig, offensichtlich sehr angepasst aber hinter der Fassade gibt es viel mehr. Ganz im Gegensatz zu Rosa, die zuerst Embers Aufmerksamkeit bekommt, da sie offensichtlich unangepasst sein will.
"It was comforting having Rosa nearby. Even if she was rude at least she was real, and when the bell tolled and the heads of the lines dispersed, we stayed closem bound by our mistrust of the others." (Simmons, page 46)
Die Soldaten die das Areal absichern erscheinen hingegen beinah leblos, kaum denkend... Als wären sie Zombies, eben Produkt ihrer Ausbildung. Hier erahnen wir was Chase widerfahren ist. Aber es scheint auch Ausnahmen zu geben, Sean, den so in etwa Freund von Rebecca.


Wie liest's sich?
Die durchaus sehr dystopische Welt wird aufgrund der Statuten sehr anschaulich erklärt. Alles erscheint sehr real, weil es sich kaum von jetzt unterscheidet, wäre da nicht die "FBR" (Federal Bureau of Reformation) die das Zepter an sich gerissen hat, und dem Volk ihre Regeln und ihre Moralvorstellung aufzwingt. Da Ember eigentlich versucht dem ganzen still und beobachtend (nicht auffallend) gegenüberzutreten lernt man viel über die Welt, allerdings greift der Arm der " Justiz" allzuschnell auf Ember. Aufgrund der Umstände liest sich der Teil stockend, man kann als Leser nicht yo wirklich begreifen, was vor sich geht und warum. Wieso keiner aufmuckt. Die fehlende Zivilcourage wird erstmal mit dem Krieg "erklärt".


Wie ist es erzählt?
Zum einen liest es sich sprachlich flüssig. Die Settings sind detailreich erklärt, man kann sich schnell hineinversetzen, das Problem ist eher, man will es nicht. Es erscheint einem allzu real.  Die Statuten werden pfiffig - als Unterrichtseinheit, eingeflochten, und so hat man das Gefühl man ist umfassend informiert, erfährt aber zu Anfang wenig bis gar nichts über das Warum, und wie es dazu kam. Das wurmt etwas, ist aber wohl teil des Spannungsaufbaus. ich hadere etwas mit den Rückblicken und vor allem mit den Traumsequenzen. Notwendig? Noch erscheinen sie mir mutwillig platziert und unpassend, ich erhoffe mir aber hier noch ein bißchen mehr...

Zitate

"They weren't actually called the Moral Militia, but they might as well have been. [..] Which each new Statute issued, the MM became more powerful, more self-rigehteous. Hence the nickname" (Simmons, page 12)

"'Would it be weird if I kissed you?'We'd stopped walking. [..] I felt like glas, like he could look inside me and see the truth: that I'd waited half my life to kiss him. That no boy I'd ever met compared to hin." (Simmons, page 35, Dream sequence)

"Because the conversation seemed so superficial it had to be fake, and because I was pretty sure it wasn't fake, I blocked out her voice and checked my reflection in the mirror."(Simmons, page 44)

"I despised Ms.Brock with a level of hatred I had never know. I hated her more hat I hated the MM and the Statutes. More than I hated him for taking my mother. More than I hated myself for not being strong enough to fight back. I directed every fiber of hatred toward this woman until the pain and anger became one." (Simmons, page 63)


Gutes & Schlechtes
+ Detailreichtum
+ Tiefe der Figuren
+ sprachliche Kreativität (siehe Zitate)

- Hintergründe des Settings
- sprachliche Mittel erscheinen mir willkürlich



(bisheriges) Fazit
Kommt als YA-Dystophie daher, hat aber Potential für sehr viel mehr, ich bin gespannt, ob die Geschichte meine Erwartung gerecht werden kann.


Fazit: 5 von 6 Sternen
aufgeschlüsselt:
Story: 4 / 6
Sprache: 4 / 6 
Charaktere: 5 / 6
Spannung: 5 / 6
fikt.Welt: 5 / 6 

Article 5  - Kristen Simmons - Tor Teen - 8. Jan 2013 - [englisch] - ISBN-10: 0765329611 - ISBN-13: 978- 0765329615 - Paperback [384 pages]

    Kommentare:

    Kalliope hat gesagt…

    Interessant, dass die die Traumeinschübe nicht so gut gefallen. Gerade die empfand ich als tolles Stilmittel...

    Dass das Warum so wenig geklärt wird, hat mich in den ersten Kapiteln ja noch gar nicht so sehr gewurmt, ich hatte gehofft, im Laufe der Lektüre kommt da noch mehr. Bisher wurde ich in der Hinsicht leider enttäuscht. Muss mehr und mehr sagen, dass mir da zu wenig erklärt wird, immer wieder wird zwar vom Krieg gesprochen, aber es wird nichts weiterführend erklärt. (Zumindest bisher.)

    momo hat gesagt…

    Hmh, na mir erscheint der Hintergrund gerade am Anfang wichtig, um so wirklich in die Buchwelt zu kommen. Zwar werden die Moralstatuten beinahe schon Jurastudententeschnisch eingepflegt, aber die Gründe, und warum es da keine Rebellionen/Revolutionen/Aufstände gab nicht. Das find ich reichlich merkwürdig. Auch das nebenbei erwähnt wird, dass das Internet mal eben komplett abgeschalten wurde - wohl weltweit... Ich meine Hallo?? SO einfach ist das nicht, es ist ja nicht umsonst ein weit verzweigtes Netz, abschalten von Knotenpunkten, sollte nicht das ganze Netz zusammenstürzen lassen. Zumindest nicht, dass irgendwelche Hacker, andere wieder auf machen.

    Kalliope hat gesagt…

    Du sagst es... Das ist zu ungreifbar, wie einfach die Unterdrückung des ganzen Landes da vonstatten gegangen ist, wie es sein kann, dass so gar keine Kommunikation mehr möglich ist, dass so viele Soldaten rekrutiert werden konnten, die so vollkommen auf Linie gedrillt sind... Ich mein: Klar, man sehe sich faschistische Regime der Gegenwart und Vergangenheit an. Aber hier soll das Ganze ja auf den aktuellen USA fußen und das ist es halt, was mich an der Geschichte so wurmt: Wenn das aus einer freiheitlichen Gesellschaft heraus geschehen sein soll, dann möchte ich das im Buch bitte erklärt haben, wie es zu diesem Status Quo gekommen sein soll.