2013/05/03

Filmtip: arte - Du gehst nicht allein

Bild via moviepilot.de,
wo es auch eine fantastische Filmkritik gibt.
Ihr wisst, ja, ich rezensiere ungern Filme. Aber letzte Woche lief gerade auf arte der sonderbare Film "Du gehst nicht allein" mit der wunderbaren Claire Danes in einer wahren Paraderolle. Ganz anders als wir sie sonst kennen, aber nichtsdestotrotz einfach genial und sehr ergreifend, denn sie lässt den Zuschauer an dem inneren Zwiespalt sehr gut teilhaben. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, Autismus nahe zu kommen. Das Innere, die Zerissenheit zu sehen.  Zurecht wurde die Darstellerin nicht nur mit dem Emmy, nein auch mit dem Golden Globe und den Screen-Actors Guilde-Award für ihre wirklich herausragende Leistung belohnt. Und auch der Regisseur Mick Jackson gewann den Emmy für Regie, Schnitt und Musik.

"Du gehst nicht allein" ist die Verfilmung einer autobiografischen Geschichte, der wahren Temple Gradin. Sie wurde 1947 in Boston geboren und gilt heute als Expertin - sowohl auf dem Gebiet der Verhaltensbiologie von Nutztieren, als auch wenn es um Autismus geht - in beiden Feldern ist sie führend.

Und auch wenn es viele Filme und Geschichten über Autismus gibt, keiner konnte mir bisher diese Welt erklären.

Temple Gradin ist anders, sie ist besonders. Sie spricht nur wenig, eigentlich nur das allernotwendigste und sie kann körperliche Nähe schlicht nicht ertragen. Und trotzdem sehn sie sich nach Geborgenheit. Und sie nimmt die Dinge anders wahr, denn sie denkt, sie sieht die in Bildern. Und kann sich so ALLES merken. Ihre Mutter - selbst hochstudiert - bemerkt schnell ihre Andersartigkeit - und obwohl diagnostiziert, weigert sie sich, wie damals üblich, solche Kinder in Heime abzuschieben. Es ist auch das Portrait der Mutter, obwohl sie "objektiv weiss", dass sie nichts anders - oder falsch gemacht, als bei ihren anderen Kindern, sich ständig die Schuld gibt und dennoch kämpft. Für ihre Tochter.
Anstatt sie in ein Heim zu geben, erarbeitet sie sich Stück für Stück individuelle Methoden im Umgang mit Ihrer Tochter.

Mit ihr und dem engagierten Lehrer Dr. Carlock schafft Temple den Schulabschluss und auf ein College. Doch das ist zu Anfang ein einziger Albtraum . Die unbekannten Menschen, die unbekannten Umgebung, die ihr nicht bekannten Regeln. In einem Panikanfall baut sie eine spezielle Maschine, an die sich sich erinnert von ihrem Farmausflug zuvor, bei der Rinder "eingeklemmt werden" um geimpft werden zu können. Sie baut eine Umarmungs-Maschine, was ihre sozialen Problem nicht gerade verringert.

Erst als sie eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit - eine auf Forschung beruhende, wissenschaftliche Begründung ob der Wirksamkeit ihrer Erfindung - abgibt, erhält sie widerwillig die Erlaubnis diese zu behalten und freundet  sich langsam mit ihrer blinden (und damit vorurteilsfreieren) Mitbewohnerin an.

Doch trotz dieser Erfolge, stösst sie im Laufe ihrer Karriere imm wieder auf alle Arten der üblichen Vorurteile.

Und damit ist "Du gehst nicht allein" einfach ein faszinierendes Portrait über die autistische Wissenschaftlerin Temple Gradin, die in einer Zeit aufwuchs, in dem Autismus eine Störung war, die schlicht nicht gesellschaftsfähig war.

Heute hat Temple Grandin mehrere Bücher herausgebracht, die meisten Fachtitel. Aber eben auch unter anderen ihre Autobiografie, im Originaltitel "Thinking in pictures", auf dem auch dieser Film basiert, der von HBO 2010 produziert wurde.

FAZIT: Absolut und unbedingt sehenswert und wenn nur aufgrund der brillianten Schauspielerleistung von Claire Danes ist. Und weil man endlich verstehen kann.


"Du gehst nicht allein" - "Temple Graden" - US
Laufzeit 103 Minuten,  Drama 
Regie:  Mick Jackson
Drehbuch: Merritt Johnson,  Christopher Monger,  William Merritt Johnson
Produzent: Scott Ferguson

1 Kommentar:

Kalliope hat gesagt…

Den hätte ich mir jetzt echt gern auf meine Lovefilm-Liste gesetzt. Leider ist der Film dort nicht verfügbar. :(