2013/03/13

Ode an den Schnee - oder wie man den erneuten Wintereinbruch noch sehen kann

Während allenthalben über den erneuten Wintereinbruch geflucht wird, gehe ich entgegen den Strom. Auch wenn ich letzte Woche innerlich mit dem Winter abgeschlossen hab, freue ich mich, dass er noch mal kurz zurückkommt, um sich richtig zu verabschieden.

Gestern Abend so gegen sechs verlasse ich das Büro, gehe den Gang mit den riesigen Fenstern entlang und erfreue mich, dass es noch so hell ist. Der Himmel ist zwar schon leicht dämmrig aber das weiss des Schnees reflektiert so viel davon, dass es dieses allumfassende Schwedenlicht gibt. Dieses traumhafte Licht, das einen so umschliesst, weil es merklich nicht nur von oben kommt. Nicht gerichtet ist, sondern eher so gestreut und diffus. Der Boden erscheint mir heller als der Himmel, eine aberwitzige Stimmung, fast erwarte ich, dass ein weisses Kaninchen mit Uhr aus einem der Schneehaufen erscheint. Tut es nicht. Die Kaninchen aus dem Garten nebenan sind immer noch in ihrer Winterherberge dem Schuppen. Naja, hoffentlich ist ihnen warm. Leider kommen sie so nicht in den Genuss den Schnee zu spüren und zu riechen.

Den ganzen Tag hat es leise und fein geschneit. Nicht die großen aufregenden Flocken, nein fein und leise aber unaufhörlich. Sie haben durch ihre Ausdauer den ganzen Boden bedeckt, gut 20cm hoch, vielleicht auch 30cm, die wenige Vegetation überall mit einen süssen, fast zu schweren Häubchen versehen hat. Die Stiele neigen sich schwer zu Erde, aber diesmal ist der Schnee trockner und so halten sie es gerade noch und brechen nicht.

Ich stapfe weiter und freue mich über die Stille. Wenn es schneit, wenn der Schnee alles so weiss und rund bedeckt hat, ist die Welt leiser. Der Schnee dämpft die Geräusche. Selbst hier inmitten der Stadt, ist es nun friedvoll. Die runde Haube bedeckt alle harten Ecken & Kanten und macht sie sanft. Der Verkehr läuft langsamer, die Welt scheint entschleunigt. Wohin ich auch gehe, überall sehe ich frustrierte Gesichter und innerlich feixe ich. Ja, so ein Wetter lässt sich eben nicht verarschen. Im März hat es alles Recht noch mal zu schneien. Und da ich weiss, dass es wohl der letzte Wintereinbruch ist, freue ich mich im Stillen und sauge die Eindrücke ein. Ich möchte sie in mir behalten, bis zum nächsten Winter, der wohl erst wieder in 9 Monaten vor der Tür steht - vielleicht.

Als in an meiner Haltestelle aussteige, ist der Himmel düster. Die Strassenlaternen beleuchten die Szenerie. Die Strasse ist fast menschenleer, und trotz den vielen Tapsen auf dem Fussweg gibt es noch viele unbegangene Stellen. Hier glitzert nun der Schnee, als hätte man tausende Perlen und Glitzersteine fallen gelassen. Die eisige Kälte gegen Abend hat den Schnee - die feinen, dünnen, grazilen und zerbrechliche Schneekristalle - zu kleinen Reflektoren gemacht. Und wie ich so die letzten Meter zurücklege, fühle ich mich tatsächlich wie in einem Wunderland. Ich stolziere und schreite durch diese Glitzerlandschaft, die immer noch weiss und herrlich mir den Weg weisst. Es ist nicht dunkel und düster, es ist herrlich verzaubernd und immer noch still. Ich frage mich ob mir das Glitzern rechts und links etwas sagen will und verwerfe den Gedanken und geniesse einfach nur seinen Anblick.

Ich bin fast ein wenig sehnsüchtig, als ich die große Tür zu meinem Hauseingang öffne und mir der kalte, braune Steinboden entgegenblickt. Ich seufze und hoffe morgen früh noch einmal durch eine weisse Wunderlandschaft laufen zu können. Nein, ich habe noch nicht genug. Du Winter, hast mich noch einmal berührt. Ich danke dir.

Kommentare:

abraxandria hat gesagt…

oh, du hast hier auch so viele schöne schneefotos! :)
ich stimme dir voll und ganz zu! der winter ist zauberhaft! hast du schön ausgedrückt in deinem text! :)

momo hat gesagt…

ja nicht? ich hab auch dieses jahr da wenig zu meckern, ein Winter, wie er im Buche steht. Ich geniesse, dass es nicht nur kalt istsondern man wenigstens mit Schnee belohnt wird. Einfach nur wunderschön.
Allerdings graut es mir vorm April :)