2013/02/21

trocken Brot und Peitsche - die Hungerspiele von Panem

Rezension: Suzanne Collins - Hunger Games [englisch & eBook]
- (Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele)


Ich erinner' mich, dass ich beim ersten Lesen der Panembücher geflasht war, davor hatte ich vor allem leichte Literatur gelesen, ein bißchen Twilight und andere Romantasy-Romane. Klar kannte ich grob den Inhalt der Panem-Bücher und trotzdem war ich sofort gefesselt. Neulich las die fantastische Kalliope die Bücher und fragte mich nach meiner Meinung. Ich war eigentlich fast sicher, dass ich hier schon eine Rezension hatte, aber nein, die Panem-Reihe taucht nur ab und an in diversen Stöckchen auf. Also nahm ich das zum Anlass Panem noch einmal zu lesen. Diesmal in der englischen Version. Zwar hatte ich an der deutschen Übersetzung wenig zu meckern, die Panem-Bücher lasen sich flüssig und sprachlich angenehm, aber beim dritten Band konnte und wollte ich nicht auf die Übersetzung warten.

Worum geht's?
Katniss Everdeen, ist taff und das muss sie auch sein, denn seit dem Unfalltod ihres Vaters muss sie praktisch im Alleingang ihre Familie - die in Depression versunkene Mutter und die kleine Schwester Prim. Und zusätzlich ist ihre Zuhause am äußersten Saum des 12. Distrikt von Panem. Hier - in dem Land, das aus den Trümmern (übriggeblieben von Kriegen und Naturkatastrophen) Amerikas entstanden ist - gibt es keine Bundesstaaten mehr, sondern Distrikte, die kreisförmig um das Kapitol (Heimat der High Society) angeordnet sind und jeweils einem Zweck dienen. Der 12. Distrikt liegt im östlichen Gebirge des Landes und fördert die Kohle für das Land. Fast alle Einwohner arbeiten staubbedeckt in den Tiefen des Gebirges und bringen trotzdem nur einen Hungerlohn nach Hause.

Wäre da nicht Gale, der beste Freund, mit dem Katniss öfter in der eigentlich verbotenen Zone hinter dem 12. Distrikt mit Pfeil und Bogen jagen geht, wie es ihr der Vater beigebracht hat, wäre die Familie sicher schon verhungert.

In Panem gibt es seitdem die Hungerspiele, die an die Vergangenheit erinnern sollen - das Zuckerbrot des Kapitols, die Peitsche für den Rest. Dabei kämpfen 2 Tribute - jeweils männlich und weiblich - eines jeden Distrikts bis auf den Tod miteinander in einer Arena. Natürlich von Kameras verfolgt direkt in die Wohnzimmer der Zuschauer, die Freiwilligen im Kapitol und umso unfreiwilliger je weiter weg. Alle Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 landen - pro Jahr ein Los - im Lostopf. Mit weiteren "freiwilligen" Losen kann man sich ein bißchen "Proviant", das Lebensnotwendigste, versorgen. Und so kommt es das jetzt Katniss Name sehr oft im Lostopf ist, ihre Schwester, deren erstes Jahr es ist, nur einmal.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten wird Prims Name gezogen, voller Panik meldet sich Katniss freiwillig um anstelle ihrer Schwester zu kämpfen. Peeta, der Bäckersohn ist der andere Tribut des 12. Distriktes.

Wieso?
Suzanne Collins erschafft mit "HungerGames" eine Dystophie, die von der ersten Sekunde nicht bedrückender hätte sein können. Das häufig überheblich erscheinende Amerika hat sich sehr gewandelt, allein das Kapitol hat sich das Hollywoodflair, den Schein, der mehr wert ist als das Sein, bewahrt. Alle anderen Distrikte können sich das nicht leisten, je näher am Saum, desto weniger. Das Kapitol bewacht, rationiert, zwingt die Distrikte, mehr Peitsche als Zuckerbrot, als trocken Brot.

Nach der Ziehung, der alle Einwohner beiwohnen müssen, bleibt Katniss nur knappe Woche, sich mit Hilfe des einzigen ehemaligen Gewinner des Distriktes - Haymich, ein Alkoholiker - auf die Spiele vorzubereiten. Dabei lernt sie schnell das es weniger darum geht, die anderen Teilnehmer kennenzulernen und einzuschätzen, als um Sponsoren zu gewinnen, Sympathien zu gewinnen, Aufmerksamkeit zu bekommen und sie manchmal zu erzwingen - Chancen zu erarbeiten. Die Spiele sind nicht nur Unterhaltung, die Spiele sind tief darunter auch Politik, mit dem kleinen Preis von 23 Toten, Opfer der Spiele. Dem Sieger winkt ein Leben im Luxus, nicht das irgendeinem der Teilnehmer wichtig wäre. Naja vielleicht den Karrieretributen aus den ersten Distrikten, aber die bereiten sich auch ihr Leben lang auf diese Chance vor. Auf die Prestige, auf die Möglichkeit im Kapitol leben zu dürfen.

Die Autorin schafft hier ein vielfältiges Bild, viele Einsichten. Gerade die Zugreise von Katniss und Peeta durch die anderen Distrikte zeigt die Welt, oder das was davon übrig blieb. Die ganze Geschichte sieht der Leser aus Katniss Sicht, und die ist erwachsen, ein bißchen sarkastisch, ein bißchen launisch und sauer. Sauer die Welt, auf was ihr angetan wird, und doch geht sie damit um. Weil sie weiß, dass sie es nicht ändern kann.

Aber im Laufe der Spiele ändert sich das. Zwar ist ihre Taktik weiterhin "NUR" am Leben zu bleiben, und sich so wenig wie möglich in die Kämpfe der Karrieretribute einzumischen, aber durch die Einflussnahme der Organisatoren, die die Spiele spannend gestalten wollen, wird das zunehmend schwerer.

Mit dem Setting der Hungerspiele bringt die Autorin die Welt sozusagen komprimiert auf einen Punkt, mit Katniss schafft sie eine sperrige Protagonistin, der man abnimmt, dass sie sich in der Arena behaupten kann, die Erfahrungen hat, die durch Rückblenden immer wieder in der Vordergrund rücken und ihre Art verständlich machen. Peeta ist Anfangs nur ein Nebencharakter rückt aber durch den Verlauf der Spiele bzw der Vorbereitung immer mehr in den Vordergrund. Nicht nur die Politik, auch die Persönlichkeiten der Beiden lassen dabei die Geschichte lebendig erscheinen. Neben der durchaus schwierigen Beziehung der beiden, die nie völlig unbeschwert daher kommt, schafft sie es zusätzliche persönliche Tiefe hineinzubringen, was dem Buch als ganzen sehr gut tut. Denn in Panem ist nichts einfach, alles ist komplex, selbst die scheinbare leichte, einfache Welt des Kapitols hat seine Schattenseiten.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass es einen zweiten Teil geben konnte.

Wieviel Sterne?
Das Buch hat alles, was ich erwarte: Spannung, und überraschende Wendungen, Charaktere mit Tiefgang und einen wirklich tollen Schreibstil. Es ist sowohl im Englischen als im Deutschen leicht lesen. Und trotzdem ist es keine leichte Kost. Der Aufbau folgt dem gängigen Schema mit einigen Spitzen inmitten der Spiele und trotzdem kann es überraschen. Die Geschichte ist nicht wirklich vorhersehbar, die Welt und vor allem die sehr bedrängte Realität der Arena schafft ein bedrückendes echtes Umfeld. 

Hunger Games ist ein Buch das mich bewegt hat und im reread auch wieder zum Nachdenken angeregt hat. Im Moment gibt es viele Dystophien, alle haben die bedrückende Atmosphäre gemein. Aber Suzanne Collins Buchreihe sticht heraus, schafft es das zu toppen, schaftt das, was die Filme/der Film nur schwer rüberbringen können. Sie kann den Leser mit der Geschichte bewegen, ihn zum Nachdenken anregen, ihn zwischen den Zeilen lesen lassen. Für mich mehr als nur gelungen und der erste Teil kriegt von mir die perfekte Punktzahl.    

Fazit: 6 von 6 Sterne

aufgeschlüsselt:


Story: 6 / 6
Sprache: 5 / 6 
Charaktere: 6 / 6
Spannung: 6 / 6





Suzanne Collins - "The Hunger Games" - Scholastic Press; Auflage: Reprint (1. September 2009) -  [Kindle Edition] - Englisch - 387 Seiten (ISBN-Quelle für Seitenzahl: 0545425115) -  ISBN-10: 0439023483 - ISBN-13: 978-0439023481

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