2013/02/15

Der Preis des Ruhms oder die Schnitzeljagd eines Superstars auf der fantastischen Suche der Wahrheit des Ruhmes

Rezension: Kai Meyers "Asche und Phönix"


Mit der Arkadienreihe habe ich Kai Meyer lieben gelernt. Sein Schreibstil ist anders, gehetzt, getrieben von Spannung und Wendungen. Seine Figuren komplex und meist mit einer viel umfangreicheren Vergangenheit als einem zu Anfang bewusst war oder man überhaupt erwartete oder erhoffte. Das Setting wie immer mediterran, ein halbes Roadmovie und trotzdem voller Heimat. Seine Geschichten aus dem Leben gegriffen und doch fantastischer und unwirklicher als der Leser zu Anfang zu träumen gewagt hatte.

Ein Kai Meyer ist immer einzigartig geschrieben, mit viel Wärme, man fühlt sich sofort im Setting, man meint immer seine Figuren wieder zu erkennen und muss seine Meinung immer ein wenig revidieren, und auch wenn seine Liebesgeschichten das "hot & steamy" vermissen lassen, sind sie nie flach oder nicht ans Herzen gehend. Ganz im Gegenteil, trotz viel Realitätsnähe sind sie fantastisch wie die Geschichten selber.

Und auch Asche und Phönix fängt gewaltig an und ganz normal. Mit dem Blick hinter die Gefühlskulisse eines Hollywoodsuperstars, eines Jugendstars, wie Robert Pattinson nach dem Twilighthype - unsicher & mediensüchtig, vielleicht sogar unreif und doch irgendwie extrem erwachsen, ob ihrer Erfahrungen, voller Selbstzweifel und doch irgendwie unglaublich selbstsicher auftretend. Und einem Underdog, ohne den eine solche Geschichte nie funktionieren kann und doch so ganz anders als erwartet.

Worum geht's?
Parker Cale, berühmter Star und Schauspieler des "Phoenix Hawthorne", der gehypten Verflimung der Fantasyromane, in der er mit Engel und Elfen spricht, trifft ungewöhnlichen Umständen auf Ash. Äusserst ungewöhnliche Umstände, denn die Herumstreunerin wird von ihm auf frischer Tat erwischt, als sie ihn gerade ausraubt. Eigentlich kein guter Ausgangspunkt, aber Parker hat gerade sowas von der Nase gestrichen voll von der medialen Aufmerksamkeit um seine Person, dass er nur weg will. Weg von seinen "Aufpassern", den Bodyguards, seiner Agentin, und vor allem von seinem Vater. Und so erpresst er kurzerhand, ihn aus dem Hotel unerkannt rauszuschmuggeln.

Natürlich geht das nicht so glatt ab wie erwartet und so findet er sich auf der Couch in Ashs Wohnung wieder, die überhaupt nicht ihre Wohnung ist. Denn Ash hat kein Zuhause, Ash ist eine sogenannte Unsichtbare. (Allein diese Nebenstory ist einfach fantastisch unglaublich und doch irgendwie soo real.)

Bevor sie überhaupt weiss was passiert, ist sie in einer Hetzjagd verwickelt, in der Parker Cale eine andere Rolle spielt als gedacht. und auch die Welt ist eine andere als gedacht. Wer ist Chimena, die die beiden verfolgt, warum flackert sie und wer zum Teufel ist Libatique und was hat der mit Parkers schwerreichen Vater und Medienmogul Royden Cale zu tun?




Wieso?
Auch wenn Asche und Phoenix kein Auftakt zu einer Reihe ist, schafft es Kai Meyer sein wiederum überraschend fantastische Buchuniversum innerhalb seiner Geschichte so glaubwürdig unterzubringen, dass man seine Ideen das fantastische in unserer Realwelt unterzubringen nicht wirklich hinterfragt, es gelingt ihm schon beinah beiläufig. Und auch diese Geschichte hätte mit nur wenig Abstrichen auch als nicht phantastisch funktionieren können, aber das macht sie schneller, toppt sie zusätzlich und man weiss nie, was man erwarten soll. Diesmal kommt sie komplett ohne Gestaltwandler aus, stattdessen bevölkern Dämonen die Welt, die ohne Blut oder Körperteile auskommen. Stattdessen ernährt sich der Bösewicht der Geschichte von Erfolg und Ruhm. Die Sukkuben und Inkuben vom Lebensalter ihrer Sexpartner und spätestens hier merkt der Leser, dass sich das Buch an die älteren Jugendbuchleser widmet.

Denn in den actionreichen Szenen geht es reichlich brutal und blutig zu, hier fliegen abgerissene Körperteile nur so durch die Gegend.
Überhaupt ist die Grundstimmung des Buches eher melancholisch bis düster. Ich würde vermuten, dass es der Herr Meyer in den dunklen Wintermonaten verfasste, auch wenn die Story hauptsächlich in den warmen Gefilden der französischen Südküste spielt. Lucien ist einer der wenigen komplett positiven Charaktäre, alle anderen hadern eher mit ihrem Schicksal, sind grüblerisch.

Das tut der Geschichte aus meiner Sicht aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, ich konnte mich leicht mit allen identifizieren, mich in sie hineinfühlen, auch die nur kurz beschriebenen. Wie immer bei Kai Meyer musste ich, in der Spannung kürzer überflogene Seiten schon nach ein paar weiteren Seiten wieder zurücklättern, denn bei ihm sollte man keinen auch noch so nebenläufig erscheindenden Seitenstrang verpassen, dass rächt sich meist schnell, schafft es der Fantasyautor doch immer wieder alle Figuren komplett in die Story einzubeziehen. Das kommt meinem Lesestil nicht immer entgegen, aber ich gewöhne mich dran und es entschleunigt meinen Lesestil immer entgegengesetzt zur Schnelligkeit der Handlung. Eine interessante Erfahrung.

Wieviel Sterne?
Hier und da wirkte die absolut unberechenbare Story (gerade in den Rückblendungen) einen Wink zu sehr konstruiert, aber da bin ich auch sehr "picky". Ich liebe, wie es Kai Meyer auch in diesem Buch schafft ganz unwillkürlich aus einer einfachen Geschichte eine wirklich tolle Fantasystory zu machen, die plötzlich auftretenden Fantasyelemente verwebt er ganz fabelhaft mit der Realwelt, sodass man sich unwillkürlich umschaut, ob nicht Chimena neben einem sitzt, oder man schaut sich den Mond mal genauer an. Genau dafür liebe ich den Autoren.

Die Geschichte hetzt und fegt durch die spannenden Stellen, als Leser kommt man stellenweise kaum zum Luftholen und muss man doch mal an einer solchen Stelle aufhören, empfielt es sich 2-3 Seiten zurückzublättern, um nicht einen Handlungstrang zu vergessen. Schnell, spannend und mit Tiefgang, ein Buch wie ich es mag.





Für mich genauso toll wie die Arkadienreihe, vielleicht weil es genau das nicht ist - ein Auftakt zu einer Reihe. "Asche und Phönix" kann und soll alleine stehen. Ein Pluspunkt für das tolle Setting, aber das ist man ja nicht erst seit der Arkadienreihe vom Autor gewöhnt.

Fazit: 5 von 6 Sterne
aufgeschlüsselt:
Story: 5 / 6
Sprache: 5 / 6
Charaktere: 5 / 6
Spannung: 6 / 6
fikt.Welt: 5 / 6

Kai Meyer - "Asche und Phönix" - Carlsen Verlag - November 2012 - gebunden - 464 Seiten - Deutsch - ISBN-10: 3551582912 - ISBN-13: 978-3551582911

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