2012/11/23

Dresden - eine Liebeserklärung

In meinen bisherigen Leben habe ich an 4 Orten gelebt, Jena, eine idyllische "Wannabe"Großstadt mitten im grünen in der Schlausein Vorteile hat, was sicher auch daran liegt, dass sie schon wahrhafte Größen beherbergte, New York, eine extrem hektische "Definitiv"Großstadt mit extrem großer und lauter, allerdings auch multikultureller Schnauze und einem Kulturangebot, das einen umhaut, St.Louis, die Großstadt, die im Herzen keine sein wollte und sich stattdessen "Gateway to the West" taufte und Dresden, eine altstädtsche, underground-moderne Landeshauptstadt, die nur ganz nebenbei auch Großstadt ist.

Die Entscheidung für Dresden war eine zufällige - mal abgesehen davon, dass ich sächsisch schon immer also ausgesprochen schönen Dialekt angesehen habe - Entscheidung, aber, wie so oft im Leben, habe ich gerade diese, NIE bereut.


Ich mag an Dresden fast jede Fassette.

Da sind die historischen Altstadtbauten, die Dresden nach wie vor Flair bescheren und jeden der über die Brücken fährt und das Altstadtpanorama erblickt, schlicht bezaubert. Schon zu Studiumszeiten, habe ich es genossen, dieses Panorama jeden Tag auf meinem Uniweg zu sehen. Habe die Reaktionen der Touristen in der Straßenbahn aufgesogen, denn fast jedem Erstsehen entfährt unwillkürlich ein WOW. Ich liebe es, dass man einen historischen Stadtbummel macht, wenn man nur mal eben in der Innenstadt einkauft oder am Wochenende einen Kaffee trinkt.

Überhaupt das nächste Thema, ich liebe die Lust der Dresdner Kaffee zu trinken (naja als Kaffee-Süchtiger wenig verwunderlich, oder?). Und nicht nur mal nebenbei nachmittags ein Aufputschmittel zu sich zu nehmen, nein die Kaffeekultur in Dresden hat ein ganz anderes Niveau. In Dresden ist Kaffeetrinken großes Kino, und da ist es fast egal, ob man ins Touristen-Grand-Kaffee neben der Frauenkirche einkehrt, wo man von Meißner Porzellan speist oder mal eben beim Bäcker (ob mit oder ohne Kette) um die Ecke. Egal ob große, leckere Torte oder ob des Dresdners Heiligtum, die Eierschecke, für die wohl jeder Bäcker, jede Familie ein eigenes, geheimes Rezept hat.

Und wo wir dabei sind, ich liebe wie Dresden Weihnachten zelebriert. Was Leipzig die Thomaner oder Regensburg die Spatzen sind Dresdnern der Kreuzchor und der hat zu Weihnachten (zugegeben nicht nur dann) richtig zu tun. Dresden sind und musiziert, kocht und backt Leckereien, fast schon überzelebriert den Stollen und seinen Striezelmarkt. Dresden zu Weihnachten ist der totale Overload, in Tradition und Kitsch, mit unzähligen Weihnachtsmärkten in den tollsten Variationen. Und trotzdem liebe ich es, jedes Jahr wieder. Hier ist man sich auch nicht zu schade mal ein Verkehrswissenschaftler die Wege auf dem Weihnachtsmarkt überprüfen zu lassen, um Staus zu vermeiden. So eine Stadt muss man doch lieben.

Ich liebe den sächsischen Singsang des Dresdner Dialekt, den jeder ein bisschen - ob eingeboren oder zugezogen - übernimmt. Diese Freundlichkeit der Sachsen, die sich so ganz nebenbei neben den anderen deutschen Tugenden (von wegen Pünktlichkeit und so) vorbei schummelt und den Dresdnern so ein bisschen "laid back" Feeling verleiht.

Ich liebe das Dresden schick und etepetete sein kann, aber irgendwo im Hintergrund dann doch schlamperig und bequem daherkommt und das schick nur so oberflächlich drüber schmeisst. Und trotzdem ist man Landeshauptstadt mit dem ganzen Trara was da so mit kommt.

Ich liebe, wie die alten Fassaden mit neuen kombiniert werden, manchmal in einfach lächerlicher Weise und manchmal so gelungen, dass man kaum mitkriegt, dass es neu ist oder vorher anders war.

Ich liebe, wie einen die Dresdner ganz nebenbei von den Sachen überzeugen können, die ihnen wirklich am Herzen liegen. So kann ich mir meine Elbüberfahrt ohne Frauenkirche im Panorama tatsächlich nicht mehr vorstellen. Und auch so ein paar andere Projekte, gegen die ich zu Anfang war (oder schlicht keine Meinung haben wollte) haben mich überzeugt. Dabei schwingt man weniger die Keule, sondern überzeugt so ein bisschen durch die Blume.

Dresden und die Elbe, Dresden und die Heide, Dresden und seine Altstadt, Dresden und seine Neustadt. Dresden ist bunt und alt, verwinkelt und grade, Dresden ist vielschichtig.

Ich liebe, dass sich die Dresdner trotz der mittlerweile Unmengen an Touristen sich ihre Stadtspaziergänge, ihre Schlendern und Flanieren nicht nehmen lassen und trotzdem nicht überheblich werden. Touris gucken in Dresden eine wirklich tolle Sache, man freut sich mit den Eigenheiten, die das mit sich bringt. Dresden ist weltoffen und kleinbürgerlich in Einem und überraschenderweise ist das hier möglich, nebeneinander. Dresden ist alt und neu, klein und groß, laut und leise. Mehr warmherzig als kaltschnäuzig, neugierig und mit dem Alten verwachsen. Dresden ist widersprüchlich und macht doch so viel Sinn.

Dresden ist anders und trotzdem irgendwie einem ganz nah, und heimelig. Dresden hat ein Flair das mich komplett eingefangen hat, dass ich nicht mehr missen möchte. Und dabei ist es mir mittlerweile ganz egal, wohin es mich innerhalb der Stadt verschlägt. Hauptsache ich darf bleiben.

Dresden ich mag dich, von Herzen, denn du bist mir einfach in 10 Jahren unfassbar ans und ins Herz gewachsen.

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Eine wunder-wunderschöne Hommage an eine noch schönere Stadt. Kann jedes Wort nur so unterstreichen! Und es stimmt wirklich: Man nimmt den Sing-Sang der Stadt so schnell auf... Ich sächsle bis heute noch ein bisschen, dabei war ich "nur" drei Jahre dort.

momo hat gesagt…

jepp. so sehr man sich dagegen wehrt, es färbt ab. Vor allem das Sing Sang weniger das sächsische... Mir fällt es vor allem auf, wenn ich woanders bin. Dresden kann ich fast überall rauserkennen. bilde ich mir ein...