2012/10/26

Werbekampagnen versus Imageverlust - wie VW in meinen Augen massiv an Image verlor



Lieber Volkswagen-Konzern,

als Webentwickler/Webdesigner kann ich einige Marketingkampagnen zumindest nachvollziehen. Ich verstehe bis zu einem gewissen Grad die Notwendigkeit vom Werbeaktionen und auch wenn sie mir persönlich missfallen, die Überlegungen, die hinter Postwurfsendungen bzw. persönlichen Werbeanschreiben stehen.

Aber gestern habt ihr echt den Vogel abgeschossen. Wirklich uns wahrhaftig, gestern habt ihr euch nichts Gutes getan. Ihr habt mich schwer enttäuscht und nichtmal bis 3 gedacht.

Um das zu erklären, muss ich ein bißchen ausholen:
Wir besitzen Shaun, einen älteren schwarzen Golf, der schon vor guten 8 Jahren als Jahreswagen erworben wurde und nun nach diversen kostspieligeren Reparaturen wohl seine beste Zeit hinter sich hat. Aber wir lieben Shaun. Shaun ist in mehreren offiziellen VW-Werkstätten bekannt. Er wechselt seine Reifen in der Nähe der Schwiegereltern, damit die ein Auge drauf haben, bekommt wichtige Organe - da meist dringend - in Dresden ausgewechselt und wird teilweise kostengünstig für Urlaub etc in seinem Verkaufswerkstatt geprüft und gepflegt. Er ist hier also in mehreren Autohäusern/Werkstätten wohlbekannt, alle direkt ins VW Netz verknüpft und sogar denen ist aufgefallen- entsprechend der vorletzten Werbepost - dass im jetzigen Alter des Autos es evtl. nicht mehr wichtig ist, wirklich teure Orginalteile als Ersatzteile zu benutzen.

Mit der momentanen Autoverkaufsflaute ist mir also klar, wieso wir als äußerst lukrative Bald-Kunden, was eine mögliche Ersetzung von Shaun betrifft, angesehen werden. Auch dass sich die entsprechenden Autohäuser darum buhlen, die Verkaufsprovision einzustreichen, ist mir schon klar.

Wenn man aber einen Golf fährt, wie wir das tun, kann das vielfältige Gründe haben:

  • man hatte kein Geld für einen grösseren Wagen oder nicht den Bedarf 
  • wollte trotzdem sicher fahren 
  • hat einen gewissen Qualitätsanspruch (deutscher Konzern und so)
  • und sicher auch ein wenig grünes Gewissen (schonmal weil der physikalische Grundsatz gilt, weniger Masse (= Kleinwagen) braucht weniger Energie(=Treibstoff) zu beschleunigen).
  • möchte aber trotzdem auch noch voll besetzt am Berg beschleunigen können (ab und zu)
  • hat einen gewissen Anspruch an Komfort und Platz (und auch hier Sicherheit, Stichwort Knautschzone)
  • möchte einen gewisse Verarbeitungsqualität am Produkt nicht missen
  • will evtl. auch die heimische Wirtschaft unterstützen (so nebenbei)
Egal ob aus ökonomischen oder ökologischen Gründen, ein Golffahrer ist sicher bedacht auf geringen Verbrauch bei trotzdem guter Fahrleistung. Es ist sicher nicht ganz unsinnig davon auszugehen, dass Golffahrer die Umwelt (und der Umweltschutz) nicht ganz am A***** vorbeigehen - zumindest den meisten  - würde ich mal einschätzen.

Gestern langte ich in meinen Briefkasten und zog neben diversen Rechnungen auch zwei identische, recht große Werbesendungen von VW heraus. Beide an den Golfbesitzer adressiert, von unterschiedlichen Autohäusern. Später erzählte der Schwiegervater, dass eine solche Sendung es auch an seine Heimadresse geschafft hatte. Auch an den Golfbesitzer adressiert, Absender ein drittes Autohaus.

Diese Werbesendung ist sehr aufwendig gestaltet.
Eine Umverpackung - quadratisch, etwa 25cm und 1cm dick.
Darin ein Karton mit Klappe(welche in sich schon ein kleines Heftchen ist, welcher aber noch eine Art repräsentative "Gutschein-Geschenk-Box" ist, in deren Mitte - überraschenderweise - ein kleines Hochglanzwerbeheftchen von 10-20 Blatt etwa 20x20cm befindet. Dazu natürlich ein Anschreiben, damit man weiß, wem man diese "Aufmerksamkeit" verdankt. Kein Preisheft, nichts... nur die Hochglanzwerbung ohne wirklich viel Info.

Ich bin ja fasziniert, wieviel Ressourcen damit in den Wind geschossen wurden, ohne dass ein tatsächlicher Wissensgewinn bei mir dabei rausgesprungen ist. Außer dass ich mich masslos darüber ärgere, jetzt schon wieder zum Wertstoffcontainer zu müssen, da diese Werbemassnahme meinen Altpapiereimer voll gemüllt hat. Einzig eine Umverpackung werde ich aufheben - und recyclen, um vielleicht zu Weihnachten einen Gutschein oder Konzertkarte oder ähnliches darin zu verpacken. Meinem grünen Gewissen zuliebe, dass es wenigstens zu etwas gut war.

Was bleibt? Die Enttäuschung das ein Konzern wie VW nicht mitschneidet, wenn eine Werbung zu oft versandt wird. Das man da nicht einschreitet und eine Warnung rausgibt. Denn mich ärgert diese Verschwendung. Das ein Konzern wie VW - mit deutschen Wurzeln mit dem Begriff Umweltschutz doch etwas anfangen müsste und entsprechend aufmerksam seine Kunden bewerben müsste. Sollte man heutzutage nicht die Mittel und das Wissen haben, dass zuviel eher ein negatives Licht wirft? Das man so evtl. keinen Kunden für ein halbwegs vernünftiges Fahrzeug gewinnt.
Ich als Kunde muss mir ja nun Gedanken machen, ob man genauso gedankenlos mit der möglichen Effizienz des Antriebes umgegangen wurde. Hat man da auch nur das Wichtigste gemacht und nicht bis zum Schluss gedacht? Ist es wirklich ausgereift? Hätte man noch eine Ecke weiter denken können? Haben Sie nur eine mistige Werbeabteilung oder arbeiten alle bei Ihnen so?

Informieren sie Ihre Autohäuser absichtlich so mies? Es muss ja einen Grund geben, dass gleich 3 - ich wiederhole drei - Autohäuser uns mit ihrer so schon übertrieben ausschweifenden Werbepost bedacht haben. Muss das wirklich sein? Geht das nicht effizienter? Und ich meine das sowohl in der Menge als auch in der Art dieser Post. Es ist unnötig und schon als Einzelnes einfach übertrieben in der Aufmachung. Sie wollen mir einen Golf verkaufen, keinen Phaeton und selbst dann erwarte ich ein gewisses Maß an Überlegung.


Es bleibt nach so viel Müll eher das Negative über als tatsächliches Interesse am Auto. Schade eigentlich. Ich hatte ihren Konzern an sich besser in dieser Hinsicht eingeschätzt. Werter VW-Konzern mit dieser Aktion haben sie in meinen Augen eher einen Imageverlust erlitten. Ich bin enttäuscht. Da hilft auch ihre TV Werbung nichts. Wenn sie gleichzeitig so ein Mist verzapfen. Was haben Sie sich dabei gedacht? Haben sie überhaupt gedacht?

Ein vielleicht nicht mehr Kunde...

1 Kommentar:

Kalliope hat gesagt…

Finde ich gut, dass du das so öffentlich "anprangerst" - mich ärgert eine solche Form der Ressourcenverschwendung auch sehr. Und in diesem Fall wird ja echt der Vogel abgeschossen, gleich drei Mal solche aufwändige und doch wenig informative Werbung... Und das in Zeiten von Internet, wo man sich seine entsprechende Info ohnehin viel einfacher selbst holen kann. Überhaupt finde ich, dass weniger mehr ist. Wenn ich mich für ein neues/gebrauchtes Auto interessiere, gehe ich schon zum entsprechenden Autodealer meines Vertrauens - und den frage ich dann auch nach Fakten und fachlicher Expertise und nicht nach Werbebotschaften...