2012/10/08

Gedanken zur Oberflächlichkeit

Seit ich denken kann, wurde mir eingebläut, Menschen nicht nach ihrem äußeren zu beurteilen. Seit ich denken kann, waren meine besten Freundinnen kleine, zarte Geschöpfe, also das genaue Gegenteil von mir.

Außerdem viele Männer. Männer, die mit Frauen tatsächlich nur befreundet sind, achten nicht auf deren Äußeres, verlangen aber einen gewissen Tiefgang, der über die gemeine Straßenpfütze hinweg reicht. Vielleicht hat meine Technikaffinität, ein Hang zur Rockmusik und der Drang das Leben vor allem naturwissenschaftlich und weniger gesellschaftswissenschaftlich zu hinterfragen, da mitgewirkt. Vermutlich sogar.

Dabei bin ich keins Mannsweib, vielleicht zu dick und unförmig, mache ich mir ab und an schon Gedanken zur Mode. Meistens in der Form "Ach du scheiße, wenn das wieder in ist, finde ich doch 2 Jahre kein XYZ mehr." Ich habe mir nie wirklich Gedanken zu abgeplatzten Nagellack gemacht - und ja manchmal bin ich verspielt genug, welchen zu tragen. Oft kunterbunt. Ich färbe meine Haare seitdem ich 12 bin, es macht mich glücklicher früh morgens in den Spiegel zu sehen und eine echte Haarfarbe zu sehen, im Gegensatz zu meiner natürlichen fast unscheinbares Ich-kann-mich-nicht-zwischen-Blond-und-Braun-entscheiden-Nichtfarbe. Ich habe hübsche Schuhe, so mit Klicker-Klacker-Absatz, gemeinhin Pumps genannt, zwischen meinem Sneaker(und alike) Kram, der allerdings absolut überwiegt.

Aber ich hasse es, wenn mir besonders die weibliche Spezies in der Straßenbahn abschätzig auf meine Finger schaut. Dazu muss man wissen, meine Nägel sind entweder zu brüchig oder zu weich sind, gerne auch beides in einem - egal wie absolut unvereinbar das klingt. Es lösen sich die Nagelschichten einzeln, was ich ab und zu mit Nagellack zu verhindern versuche. Außerdem brechen mir so Häkchen raus. Ich esse alles, Biotin, Zink mit Selen, Eisen mit und ohne Vitamin C - bisher mit wenig oder nur kurzem Erfolg.

Meine Nagelhaut sieht grauenhaft aus, egal wie oft ich creme.
Dank meiner angeborenen Tollpatschigkeit - nicht ganz so nett auch Motorikdeppigkeit genannt - sind meine Schuhe nach dem Putzen genau bis zur nächsten Pfütze/Dreckecke sauber.
Wer auch immer diesen Mist erdacht hat, dass man an den Schuhen irgendwas vom Charakter ablesen kann, sollte gesteinigt werden.
Schuhe sind per se dazu gedacht, auf dem Boden - in nicht Büroatmosphäre häufig dreckig anzufinden - zu wandeln. Die sind nur bei denen sauber, die echten Boden meiden oder ständig ihre Schuhe nachputzen können, oder die ihren Bürofussboden nie verlassen. Das hat eher damit zu tun, was derjenige macht, gemeinhin sind mir Menschen mit nicht so auffällig geputzen Schuhen lieber, die sind netter und ehrlicher.

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Absolut...ich sag' auch immer: Mensch, das sind Gebrauchsgegenstände. Denen muss man ansehen, dass sie im Einsatz sind. Und das Leben ist nun einmal nicht steril und rein, ganz im Gegenteil. ;)

Ella hat gesagt…

Mit diesen Problem, sei es Oberflächlichkeit + Nägel, habe ich auch Tagaus-ein zu kämpfen.
Mittlerweile ist mir die Meinung anderer Menschen weitestgehend in diesr Richtung egal geworden. Hauptsache ist, ICH komme damit klar - schließlich lebe ICH damit ;-)

momo hat gesagt…

Schön, dass meine Leser das auch so empfinden. Das zeigt mir doch, dass mein Blog genügend Tiefgang hat und echte Menschen anlockt, die selber Tiefgang haben. Macht mich ja schon ein wenig stolz.
@Ella: Mich würde es ja weniger stören, wenn mir nicht wildfremde Menschen. Handcreme entgegen strecken (ich selbst hab meist 2 einstecken) oder mir eine Kosmetikerin empfehlen wollen.
Allerdins gebe ich auch zu, dass ich meine Fingernägel nicht fest krieg ekümmety mich schon ein wenig. Ich würde gerne mal lange Nägel ohne Bruchstellen haben.