2012/07/25

frühes erfolgreiches Pilzesuchen in der Dresdner Heide




Letzte Woche war mein InstagramStream voll von den ersten Pilzerfolgen Dresdner Wanderfreunde und so hab ich mein Held überzeugt, mit mir am Sonntag auch mal schauen zu gehen. Bisher waren unsere Pilzerfolge im Sachsenland überschaubar, was sicher auch daran liegt, dass ich hier vorsichtiger bin.

Als echte Informatiker habe ich unsere Router vorher digital geplant und wir sind dieser dann mehr oder weniger gefolgt, als Pilzsuchender geht man ja eh etwas abseits der großen Pfade.

Mein eigentliches Pilzgebiet liegt naturgemäss in meiner Heimat um Jena in Thüringen und dort kenne ich die Stellen und wie meine Pilze (also die, die ich sammel) aussehen. Da ich mich vor Lamellen aus unerfindlichen Gründen geradezu ekele (aus diesem Grund kaufe ich auch nur die ganz kleinen (geschlossenen) Champignons und blende den Fakt aus, dass es mal lammelige Pilze werde), sammele ich aus nur Röhrlinge.

Außerdem gibt es bei den Schwammpilzen/Röhrenpilzen (in unseren Breitengeraden, im Wald, wo ich suche) nur einen giftigen Vertreter, den Satanspilz, der sich optisch ausreichend von den essbaren unterscheidet, hat er doch einen weissen/hellen Hut, einen grellroten Fuss und ein orangenen Schwamm. Von der Form ähnelt er zwar einen Steinpilz, mit einem breiten, stammähnlichen Fuss, die Farben sind aber äußerst unterschiedlich.

Dennoch rate ich zur Vorsicht, kann man einen Pilz nicht ausreichend bestimmen, sollte man ihn besser nicht essen. Zusätzlich muss man beachten, dass Pilze in unterschiedlichen Gebieten unterschiedlich aussehen.
Vor Jahren habe ich mit meinen Eltern im Norwegenurlaub Pilze gesammelt und dort sehen einige bekannte Arten doch erstaunlich unterschiedlich aus, was dem Boden, der Vegetation und den anderen klimatischen Bedingungen geschuldet ist. Also Augen auf.

Auch sächsische Pilze aus der dem Dresdner Naherholungsgebiet "Dresdner Heide" sind für mich anders und wachsen teilweise an unterschiedlichen Stellen als die aus meiner Kindheit bekannten in Jena. Klar wachsen Pilze auch mal an ungewöhnlichen Stellen, insgesamt ist der Fundort aber ein wichtiges Indiz für die Bestimmung und das sollte man nie aus den Augen verlieren.


Bei dem Vertreter war ich mir vor Ort unsicher in der Bestimmung: der Hut war schokobraun und unglaublich samtig, der Stiel schlank, das Futter zitronengelb und fest, das sich nicht verfärbte. Zu Hause hab ich dann nochmal genauer nachgeforscht und ihn als Düsteren Röhrling identifiziert. Sollte man nicht zu viel in der Pilzpfanne haben, denn auch ihm wird (in großen Mengen) ein leicht bitterer Nachgeschmack nachgesagt...


Am Wochenende fand ich also diesen und andere tolle Sommersteinpilze. Diese haben einen helleren Hut, sehr helles Futter und sind so leichter mit dem Bitterling verwechselbar. Allerdings ist der Stil breiter und meist wie der Stamm einer alten eiche geformt. Der Hut ist glatt, aber nicht schleimig, meist hellbraun, tw. beige. Das Futter ist entgegen den Maronen, Ziegenlippen, Rotfüsschen etc. fest und meiner Erfahrung nach sind Sommersteinpilze meist wenig vermadet. Häufiger als bei der herbstvariante findet man diese aber oft in Gesellschaft anderer, in meiner Pilzpfanne sind sie echte Lieblinge.



Eine äusserst seltsame Art einen Pilz zu finden, den hat wohl ein Sammlervor uns dort liegen lassen. Vielleicht konnte er ihn nicht bestimmen oder er ist keine Pilze. Prinzipiell bin ich gegen das Rausdrehen von Pilzen, wurde mir doch beigebracht, das dies das Myzengeflecht/Mycel (wie heisst das jetzt eigentlich?) verletzt. Ich schneide Pilze ähnlich wie Spargel kurz über der Wurzel ab. Im Bestfall wächst so in der Nähe dann bald wieder einer. Allerdings ist das eine echte Gesinnungsfrage, gibt es doch Meinungen, die beim Abschneiden (durch das Abfaulen des Reststiels) das Myzen/Mycel gefährdet sehen. Wichtig ist das Abdecken der Fundstelle.
Ich persönlich traue mir einfach nicht zu, einen Pilz so vorsichtig rauszudrehen, dass ich da nichts kaputt mache, mit Abschneiden sehe ich da weniger Krafteinwirkung, und ich kommen besser ran.


Ein hübscher Geselle, nur leider ein Bitterling, erkennbar an den hellen, glänzenden Hut, dem hellen, leicht ins rosagehenden Futter und den schlanken Stiel. Am besten erkennt man Bitterlinge am Geschmack, eine winziges Stück aus dem Hut fein zerkauen (und am besten Auspucken), hinterlassen Bitterlinge sofort einen seifigen, bitteren Geschmack, den man definitiv nicht verwechseln kann. Je jünger desto geringer, je älter desto stärker, ein Bitterling in der Pilzpfanne und das Gericht ist schlicht nicht mehr essbar, weil so bitter. Der Bitterling ist nicht giftig, durch seinen Geschmack aber nicht geniessbar. Da er je nach Gegend schlechter vom Rest zu unterscheiden ist, lohnt sich im Zweifelsfall immer die Kauprobe, an einem winzigen Stück.
Zum Pilzesuchen lohnt sich also immer ein Kaugummi oder Bonbon mitzunehmen, um nach den Probieren den Mund wieder zu neutralisieren.


Den hübschen Stausee - naja Stauteich, haben wir bei unserer kleinen Wanderung auch mitgenommen, und an dessen Ufer fand ich einen wirklich hübschen Sommersteinpilz. Nicht unbedingt, die richtige Lage, aber die Vegetation stimmte. Als Anziehungspunkt hat er aber jede Menge Wanderer als Besucher gehabt und so war es uns schnell ein wenig zu belebt. Ich mag die Natur lieber einsamer. Ein paar schöne Bilder hab ich dennoch mitgenommen.



* PS: Für alle Neugierigen: am Ende des Tages befanden sich Ziegenlippen, Rotfüsschen, eine winzige Marone, 5 sehr tolle Sommersteinpilze, ein düsterer Röhrling und ein paar kleinere normale Steinpilze im Körbchen und ergaben ein nettes Waldpilz-Risotto zum Abendbrot. Zwei Sommerpilze übernachteten im Kühlschrank und erfreuten uns auf der selbstgemachten Pizza.

Kommentare:

abraxandria hat gesagt…

mit pilzen kenne ich mich leider so gar nicht aus. also lasse ich das lieber mit dem sammeln, bevor noch was giftiges im korb landet.
dein bericht hat mir viel spaß gemacht! ich hoffe, die pilze haben euch super geschmeckt! klingt ja gut! ;)

Kalliope hat gesagt…

Wow, das war ja jetzt echt früh. Aber bei dem Regen eigentlich kein Wunder... Hoffe, euch hat das Pilz-Risotto gemundet! Ich finde, selbstgesammelt schmeckt's doch gleich noch eine Spur besser! :)

momo hat gesagt…

@abraxandria: ich glaube, das man da hinein wachsen muss. ich habe früher viel pilze mit meinen eltern gesammelt, denn so lernt man die grenzen kennen. mal eine pilzwanderung mitmachen und dann selbst suchen ist falsch. andereseits kennt es mein freund gar nicht, er hat mit mir und meiner familie gelernt und er sammelt nur in begleitung von mir oder anderen pilzkennern. und ich würde mich definitv als übervorsichtigen finder beschreiben. trotzdem ruft meine schwiegermama nach jedem fund besorgt an, ob es uns auch gut geht ;)

@kalliope: japp ich fand es auch reichlich früh, andererseits lässt man das wetter revue passieren war es beinahe perfekt. udn mein papa hat in jena auch schon vielempilzfreunde aus dem wald kommen sehen. allein unser hund ist nicht mehr geländetauglich. er ist ein strikter wegehund, jetzt im omaalter...

abraxandria hat gesagt…

ui, eure schwiegermamma ist ja süß!
du rätst mir also auch zum vorsichtig sein.
ich glaube, ich lasse die sache lieber...
auch wenn es schade ist.
aber man kann sich ja auch pilze kaufen...
ich finde es toll, dass du sowas kannst!

momo hat gesagt…

@abraxandria: ich rate dir nicht ab, pilzesuchen ist toll, macht spass und man beschäftigt sich intensivst mit der natur.
mal eine/zwei/drei geführte pilzsuche mitmachen ist sicherlich ein anfang, da kann man austesten, ob einem sowas überhaupt spass machen würde... viele naherholungsgebiete bieten an größeren parkplätzen zu pilzzeiten eine art nachlese an (also einen experten, der dein korb nachsortiert) - gestaltet sich aber oft schwierig, weil die meisten pilzsucher, sich nicht an das terrain erinnern.

über so wanderseiten/geocaching etc bieten auch viele pilzsucher an ihr wissen zu teilen(wir sind nämlich insgeheim da auch erfreut, da smal zu können) und mit ihnen zu gehen (man sollte aber nicht erwarten, dass die gleich ihre superstellen mit dir teilen ;-P).

Aber so kann man natürlich lernen. on the spot. Mein Held kann mittlerweile auch viele unterscheiden, die letzte Entscheidung liegt aber noch an mir, und ich putze im Wald (schneide madige Stellen gleich weg) und ich sortiere im Wald(Tageslicht), und ich sortiere übervorsichtig. Lieber gehe mit nem kleinen sicheren Korb, als mit nem vollen, unsicheren.

Mit Röhrlingen ist man schon auf ner relativ sicheren Seite, ich rate eben nur dazu, nur weil man ein-, zweimal einen sicheren Korb nach Hause gebracht hat, dann darauf zu vertrauen. Pilzsuchen ist eine Aktivität, in meiner Sicht nicht ergebnisorientiert und immer auch eine nie endende Lernerfahrung, die Spass macht.

Nebenbei geh ich beim Pilsesammeln die größten/längsten Wege, ohne das es mir was ausmacht...

Deswegen fotografier ich da viel, um später zu bestimmen und zu lernen. Ein bisschen was für Nerds..

abraxandria hat gesagt…

danke für deinen so ausführlichen bericht!
das klingt schon gut...
und ich mag es durch den wald zu gehen... so naturverbunden zu sein.

momo hat gesagt…

bitte, bitte. wenn ich ehrlich bin, hab ich den post ja auch geschrieben, um ein bißchen freude und faszination vom pilzesuchen weiterzugeben und einen kleinen einblick in das zu geben, was die komischen menschen, die querfeldein mit der nase aufm boden im dickicht rumstochern, da so tun. und es hat mir ehrlich spass gemacht.