2012/06/28

Manches "Echte" braucht nur wenige Seiten

Rezension: Chelsea Fine "Sophie & Carter"


Als kindle edition kostet die etwas andere Liebesgeschichte nur 2,68€ - klingt zu billig? Zieht man in Betracht, dass Chelsea Fine nur 126 Seiten (in der gedruckten Version) benötigt, um diese Geschichte zu erzählen, klingt das schon anders.

Zugegeben der Preis hat mich zumindest nicht zweimal darüber nachdenken lasssen. Eine gute Freundin empfahl es mir und so kaufte ich es ohne Leseprobe, erwartete aber nicht viel, denn kurze Novellen sind eigentlich nicht mein Thema. Ist es schön, ärger ich mich über die Kürze, in die meisten komme ich allerdings nicht rein. Die meisten Novellen schaffen es nicht, mich ich in die Figuren, in die Story zu ziehen. Irgendwie habe ich da ein Vorurteil der Oberflächlichkeit, dass ich nur sehr schwer ablegen kann.

Worum geht's?
Sophie und Carter sind Nachbarn, schon seit vielen Jahren. Lernt man die beiden in ihrer Highschool kennen, würde man nicht die enge Verbindung der beiden sehen, Denn in der Schule leben sie aneinander vorbei, sie gehen sogar hintereinander - getrennt - nach Hause. Nichtmal ihrer Geschwister, um die sich Sophie rührend kümmert (das warum und weshalb lass ich mal weg, um die Spannung zu erhalten aus) haben wirklich Einblick, sie wissen nicht wirklich, dass sie so einige Male wirklich hätten hungern müssen, würde Carter nicht hin und wieder das Nötigste vorbeibringen. Und doch ist Carter regelmässiger Gast, morgens wenn Sophie ganz schön hadert ihre drei Geschwister rechtzeitig fertig zu kriegen, oder spät abends wenn Carter und Sophie sich auf der alten Schaukel auf der Veranda treffen, in dem Versuch sich gegenseitig Halt zu geben. 

Und auch Carter hat sein Bündel zu tragen, ist seine Mutter doch seit vielen Jahren schlichtweg verrückt. Glaubt an Aliens, die sie regelmäßig entführen wollen, an Käfer, die sie aufessen - das komplette Drama. Auch hier möchte ich die Hintergründe nicht verraten. 


Aber was ist, wenn dieser Halt mehr ist als nur Freundschaft, kann ein solches Leben mehr ertragen? Können und wollen sie das Risiko eingehen, auch nur minimal den wackeligen Halt, das einsturzgefährdete System ihrer jetzigen "Beziehung" zu gefährden, dass sie so sehr brauchen.


Wieso?
Die Autorin schafft es, das für mich unmögliche. In nur 126 Seiten erzählt sie eine durchaus komplexe Story mit Tiefgang und komplexen Figuren, die da durch scheinen. Zusätzlich schreibt sie die Geschichte aus zwei Sichten, Cartes und Sophies und wählt diese so sorgfältig aus, dass es vorwärts geht und trotzdem der Leser viel Einblick in das Seelenleben seiner Protagonisten bekommt. Innerhalb weniger Sätze hatte mich die Autorin eingefangen und so las ich die (kurze) Geschihte in einem Rutscht. Zwar ist die Liebesgeschichte vorherahnbar und ohne große Überraschungen aus, aber das ist durchaus passend, klöppelte die Autorin doch eine wirklich reale und schockierende Lebensumstände für ihre Figuren, die diese Lovestory durchaus verständlich hemmen.

Im Endeffekt ist die Story linear, kommt aber trotzdem sehr real und mit viel Tiefgang einher und das besondere Stilmittel zweier Ich-Sichtweisen, die sich jeweils hauptsächlich über das Leben der anderen Figur Gedanken machen, haucht der Story viel Leben und macht sie zu einem wirklich einnehmenden Leseerlebnis.

Für mich zwar ein kurzes, aber fesselndes Leseerlebnis, das ohne Fantasy auskommt und überraschend harten Einblick in zwei Schicksale gibt.



Wieviele Sterne?
Der Vorteil von so kurzen Geschichten, wenn man's richtig anfängt, kann man auch nicht mehr so viel falsch machen. Man findet schnell rein und ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand das Buch vor Ende wieder aus der Hand legt (kurz genug ist es ja).

Fazit: 5 von 6 Sternen

aufgeschlüsselt:
Story: 5 / 6
Sprache: 5 / 6
Charaktere: 5 / 6
Spannung: 4 / 6
fikt.Welt: 5 / 6


Chelsea Fine - "Sophie & Carter - 126 Seiten - Acacia Publishing, Inc. - 20. Juni 2011 - ASIN: B0057AP0AS - [englisch]

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