2012/04/02

Rezension - Crossed by Ally Condie [englisch]

Rezension "Crossed" von Ally Condie [englisch] 
"Die Flucht" im Deutschen - Fortsetzung von "Matched" ["Die Auswahl"]
Auch wenn ich "Matched", den ersten Teil zu Crossed (im deutschen "Die Flucht"), wirklich sehr mochte, hatte ich es hier ich sofort rezensiert, sondern mir stattdessen den zweiten Teil "Crossed" bestellt, in Erwartung wieder eine großartige Reihe gefunden zu haben, denn die Dystopie, also das Weltuntergangsszenario, was Ally Condie hier ersann klang nicht nur vielversprechend, vor allem auch vielseitig und spannend.

Zuvor sei gesagt, dass ich mich sehr auf die Fortsetzung freute, ich zwischendurch schlechtes darüber las, es dann auf meine Weihnachts-Wunschliste setze und mich dann wieder freute und nach dem dem ersten Kapitel das ganze wieder zur Seite legte und erstmal die "Chroniken der Unterwelt" - "The Mortal Instruments"-Reihe las, dann wieder dazu griff und es dann neben einigen anderen Büchern durchlas. Entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten, habe ich also insgesamt so 3 Monate mit dem Buch gehadert.   Vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen, vielleicht einfach nur andere, aber irgendwie, hach, lest selbst...

Vorgeschichte("Matched") und Szenario:
Protagonistin Cassie wächst in einer der inneren Provinzen names Oria auf. Die Gesellschaft ist strikt nach Wahrscheinlichkeiten ausgerichtet, nach Statistik und Vorhersage. Demnach ist 80 das perfekte Sterbealter, denn eigentlich sind Krankheit und Tod mehr oder minder ausgerottet, und da gewisse Familien ja Kinder möchten, muss ja zwangsweise etwas gegen die Überbevölkerung getan werden.

So war Cassia im ersten Buch 17 Jahre alt und stand damit kurz davor "gematched" - also gepaart -  zu werden mit dem bestmöglichen, am besten zu ihr passensten Partner aus dem "Paarungspool"- laut System. Und überraschenderweise war das Xander, ihr Freund aus Kindheitstagen und sozusagen beinah ihr Nachar. Selten. Doch als plötzlich Xanders Gesicht verschwindet und stattdessen das von Ky aufgrund eines angeblichen technischen Defekts auf ihren Microchip erscheint, ist Cassia verunsichert, ist sie es doch gewohnt, dass alles von der Gesellschaft organisiert wird. Und die Gesellschaft macht keine Fehler, normalerweise. Überraschenderweise lebt Ky auch in ihrer Provinz und natürlich entwickelt sie dank während einer gemeinsamen "Sommeraktivität" Gefühle für ihn, auch wenn sie erfährt, dass er eigentlich eine "Aberration" ist und damit gar nicht Teil des "Matching-Prozess" sein kann.

Und dann ist da noch das merkwürdige "Erbe" ihres Großvaters, dass sie gar nicht haben dürfte, ein Gedicht, welches nicht eins der gesammelten Werke der Gesellschaft ist. Denn in der Gesellschaft sind Kulturgüter verboten: Es wurden nur 100 Werke jeder Gattung durch eine Kommission zum Aufheben auserwählt (100 Gemälde, 100 Lieder, 100 Gedichte etc). Bisher durfte jeder Mensch immerhin ein sogenanntes "Artefakt" besitzen, das meistens von den vorherigen Generationen der Familie weitergegeben wurde, doch wurde dies nun verboten, da sie die Ungleichheit zwischen den Menschen verstärken. 

Für jemand, der nie gelernt hat für sich selbst zu denken, eine echte Belastung, sie wird damit zum Außenseiter in der Gesellschaft... Die ständig im Raum stehende Frage des ersten Teils ist dabei, ob sie sich für die rote Tablette* entscheiden wird, die sie die letzen 12 Stunden "vergessen" lässt?

***

"Die Flucht" bzw. "Crossed" wird abwechselnd aus Cassias und Kys Sicht geschrieben, was sinnvoll ist, sind sie doch ein Großteil des Buches getrennt.

Worum geht's? (Achtung: nicht spoilerfrei bzgl Buch 1 - "Matched")
Cassia hat sich für Ky entschieden und folgt ihm entsprechend ihrem selbstgewählten "Arbeitsauftrag" in die äußeren Provinzen. 
Ky wird als Aberration von Arbeitslager zu Arbeitslager geschleift, und überlebt - bis er flieht, denn  zufällig landet er nicht weit von seinem früheren Zuhause. Mit 2 anderen flieht er in das "nahe"-gelegene Gebirge (Canyons) und hofft dort auf "Siedler" zu stossen, die weder Teil der Revolution sind und er einfach ein normales, unvorherbestimmtes Leben führen kann, bis er irgendwann Cassia zu sich holen kann.
Cassia hingegen versucht auf Teufel komm raus Ky zu finden und während ihrer "Tour" durch die Provinzen, kommt sie auch mit kleinen Hinweisen auf eine "Revolution" in Kontakt. Durch einen Hinweis flieht sie auch zu den Bergen und versucht Ky zu finden. 

Wieso?
Der erste Teil "Die Auswahl"("Matched") begann langsam, die Autorin nahm sich Zeit die Struktur der Welt, die Gedanken der Protagonisten zu erläutern und dem Leser wirklich nahe zu bringen, und es gelang. Trotz wenig spannender "Action"-Handlung gelang ein feinsinniger Roman, dem anfangs passiven Charaktär Cassia entsprechend,  denn die hatte bisher ein glückliches, beinah perfektes leben, in dem ihr bekannten Rahmen. Außerdem lernen wir Cassia als Typ Mensch kennen, der vom Charakter her nicht der Typ Mensch ist, der sich direkt Hals über Kopf gegen das System auflehnt. Sie braucht die Zeit, die Ally Condie ihr im ersten Band dieser Trilogie gegeben hat, um sich zu einer Person zu entwickeln, die sich für den Leser glaubhaft gegen die Gesellschaft auflehnen und wehren kann, die eigene Entscheidungen treffen will und kann.

Hier im zweiten Teil "Die Flucht" ("Crossed") besteht die Story größtenteils nur aus der Reise durch die Canyons, ergo bleibt leider auch wenig bis gar kein Raum für andere Handlungsstränge. Einzig die inneren Konflikte von Cassia und Ky, die Probleme, die ihre Beziehung überwinden muss, das angebliche "Nichtverdienen" einander, wird immer wieder zur Hauptsache - und das wirklich in den unmöglichsten Situationen (und gerne nur allein bedacht). Allein das Gefühlsleben der beiden wird wirklich einfühlsam und emotional beschrieben. Trotzdem  muss ich einfach anmerken, dass beide Charaktere ihren starken Willen aus "Matched" irgendwo in den Canyons verloren haben. 

Cassia ist aus unerfindlichen Gründen geradezu von der Idee der Rebellion besessen und scheint  nicht einmal darüber nachzudenken, warum sie sich denn der Rebellion anschließe will. Ky  hingegen sinnt darüber nach, wie er keines von beiden wählen kann (weder Gesellschaft, noch Rebellion) und somit sozusagen in sein altes "Muster" des Sich-Versteckens zurück fällt. Dabei war er doch gerade am Ende des ersten Teils zu allem bereit und hat in Cassia (die sich ja für IHN entschieden hat) einen Grund gefunden, gegen das System zu kämpfen, oder sehe ich das falsch? Aber jaja diese Vatergeschichte, ich weiß.

Zwar taucht auch Xander in einer Form auf, die schwer vermuten lässt, dass er im 3. Teil noch einmal heftig (nicht nur um Cassia) kämpfen wird, aber insgesamt sind die Nebenfiguren diesmal sehr seicht und flach und Condie gönnt sich wenig Zeit das ganze etwas genauer zu beleuchten (Dabei hätte mich das tatsächlich fasziniert).

Was der erste Teil an Spannung vielleicht fehlte, das wird hier aufgeholt, ein ständiges Gehetze und Bedrohtsein in keiner Sekunde haben die Protagonisten eigentlich Zeit nachzusinnen (machen sie aber trotzdem) und überall und ständig taucht die Gesellschaft mit "Luftschiffen" auf oder die "Wanderer" stolpern geradezu über Leichen.

Ganz prinzipiell ist die Bewertung hier doppelt so schwer, denn als BuchReiche** würde ich dem ganzen bisher schon 4 Sterne zugestehen, als Einzelbuch (wenn auch an sich "alleine" nicht wirklich lesbar) würde ich mich allerdings für 3 von 6 Sternen entscheiden (ich war kurz davor nur 2 zu geben, aber die Aufschlüsselung hat mich doch zu 3 bewogen).
Dabei hatte ich echte Hoffnungen in die Fortsetzung gesteckt. Und auch die Welt- die Dystophie als solches - ist eigentlich toll, aber kommt die zu kurz, irgendwie ist die Umsetzung in diesen Teil einfach furchtbar lieblos.

aufgeschlüsselt:
Story: 2 / 6
Sprache: 4 / 6
Charaktere: 3 / 6
Spannung: 3 / 6
fikt.Welt: 5 / 6 (bedenkt man den Vorgänger, ansonsten 4)


*Jeder Mensch muss immer drei Tabletten bei sich tragen, die grüne dient der Beruhigung, die blaue enthält genug Nährstoffe für einige Tage und die rote lässt einen die letzten zwölf Stunden vergessen.
**Einfache mathematische Gleichung: "Matched" (5/6) & "Crossed" (3/6) macht im Mittel 4/6 Sternen für die Reihe bisher)


  • Ally Condie - "Crossed" - [engl.] - 367 Seiten
    • Dutton Juvenile Verlag - 1. November 2011 -
  • ISBN-10: 0525423656 - 
    • ISBN-13: 978-0525423652

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Das habe ich jetzt schon so oft gelesen, dass Teil 2 so gar nicht zu überzeugen weiß. Ich hatte es fast schon befürchtet... In Teil 1 hatte ich so sehr das Gefühl, dass "auf Krampf" auf eine Fortsetzung hingearbeitet wird. Vielleicht hätte es der Geschichte ganz gut getan, sie auf zwei Bände einzukürzen. Vielleicht sogar auf einen. Ich fand nämlich Band 1 schon etwas langatmig an der einen oder anderen Stelle. So sehr ich ja ein Fan davon bin, gut in die Geschichte einzuführen, aber ich fand, Condie hat das sehr in die Länge gezogen. Auf Teil 2 werde ich wohl verzichten...

momo hat gesagt…

Genau deswegen hatte ich es dann doch nicht mehr gleich gekauft, sondern es zaghaft auf mein weihnachtswunschzettel gesetzt.
Das Gefühl hatte ich im 1. Teil auch, aber ich hoffte eben auf ein echtes "Bam" im zweiten. Die ganze Fiktion klang so vielversprechend und auch die Art wie mit den Charaktären und der Welt umgegangen wurde, und irgendwie erscheint mir Band 2 jetzt "hingerotzt".. Irgendwie traurig *find*