2012/04/26

Namensache - von Pauls, Ralfs und Saschas

Eine von mir gelesene, sozusagen nachbarige Bloggerin hat da neulich 
- zugegeben ist nun schon etwas her (ich habe absichtlich, ein bißchen Zeit verstreichen lassen, um die Aktualität zum Namen etwas rauszunehmen)  - 
ein paar interessante Fragen aufgeworfen, die durch die unsägliche TV-Sendung "Der Bachelor" auftraten.
Der gute hieß ja nun Paul, wie mir da erklärt wurde. Sie fragte sich nun, wie sie wohl entscheiden und aussieben würde, wäre sie mit einer Reihe von Pauls konfrontiert. 


In den Kommentaren entbrannte nun eine Diskussion, wie Pauls denn nun sind und ich musste feststellen, ich kenne gar keinen menschlichen Paul. Hingegen sind mir mehrere vierbeinige Pauls bekannt, ob mit Hundeschnauze oder mit langen Löffeln. Überdurchschnittlich viele Pauls. Jedoch kann ich nicht sagen, dass ich persönlich eine besondere Zu- oder Abneigung gegen Pauls im allgemeinen habe.


Allerdings kann ich dem Problem folgen, denn es gibt tatsächlich in meinem Leben auch arme Namensvertreter, denen ich nicht vorurteilsfrei entgegentreten kann. Schlimm oder, wie unsere Erfahrungen im Leben uns trotz einem gewissen (und hoffentlich seit den Kindertagen gewachsenen) intellektuellem Level wieder mit Vorurteilen im Alltag sich nach vorne spielen möchten. 


So verbinde ich dem Namen "Paul" eher gar nichts, aber ein Ralf/Ralph käme mir nichts ins Haus. Ich habe bisher nur ganz furchtbare Ralfs/Ralphs kennengelernt, ich glaube meine Antipathie zu dem Namen ist nicht mehr abzubauen... Ich habe in der Grundschule einen Ralf in meiner Klasse gehabt, der dummerweise auch in meinem Haus wohnte (ich bin in einem ostdeutschen Plattenbau (12-Geschosser) aufgewachsen), und dieser verhielt sich - nett ausgerückt - ziemlich asozial. Aus heutiger Sicht hat sicher weniger der Ralf an dem Vorurteil Schuld, als wohl seine Familie, die sich damals schon sehr von der äußerst geschlossen Hausgemeinschaft absonderte. Auch wenn ich nicht wirklich ein Opfer des Ralf-Mobbings war, hat sich das doch tief in meine Kinderseele eingebrannt.
Allerdings habe ich auch seitdem keinen netten, liebenswerten Ralf kennengelernt. Während meines AuPair Jahres lernte ich den einen oder anderen Ralph kennen, und die waren zum einen nicht besonders helle aber vor allem menschlich .... nun man kann es nicht anders sagen ... Arschlöcher...
Auch im Studium gab es Ralf's, keinen lernte ich näher kennen, keinen wollte ich auch nur annähernd näher kennen lernen. Und so ist dieses Vorurteil zu einer Art persönlichen Lebenserfahrung für mich ge"morph"t.
(Und ich frage mich natürlich, wieviel von diesen Erfahrungen sind "self fullfilling prophecy", also wie viel habe ich selbst durch Vorurteile beigetragen? Vielleicht waren einige Ralfs doch sehr nett hinter dem ersten Eindruck? Ich hacke ja auch kein Martin, Thomas, Kevin (naja vllt. letzteres ein wenig) ab, wenn sie sich vorstellen, sondern - so glaube ich von mir - gebe jedem eine faire Chance selbst wenn der erste Eindruck mal nicht so toll war.   


Und auch bei Saschas habe ich auch Vorurteile: 
Bisher kennengelernte Saschas waren ausnahmslos dumm, also wirklich strohdoof, da gibt es einfach keine Beschönigung. Egal in welcher Lebensphase kennengelernt und egal in welchem Land... Intern sage ich deswegen gerne "oh Gott, was'n das für ein Sascha" wenn jemand was selten Doofes sagt. I apologize to all intelligent Sascha's. Sie dürfen sich gerne vorstellen. Ralfs eher nicht.

zurück zum Thema Paul:

Paul klingt vielseitig, liegt das daran dass ich noch keinen menschlichen Paul kennengelernt habe und   sozusagen frei von Vorurteilen bin? Oder suggerieren und Filme, Bücher, Medien zusätzlich zu den eigenen Erfahrungen sozusagen "gelernte (Medien)Erfahrungen". Wieso tue ich dem Namen Paul so unterschiedliche Charaktere zutrauen, aber Ralfs und Saschas nicht?

Mir fällt gerade auf, ich kenne einige Hundepauls und mindestens drei Mümmels namens Paul/Paule/Paulchen... Liegt das daran, dass die Pauls die (diese) Menschen kannten, gemeinhin gutmütig und nett waren und deswegen der Name gerne an die Vierbeiner vergeben haben? Gibt es überdurchschnittlich viele netteOnkel/Großväter etc. mit dem Namen Paul? Kennt jemand eigentlich einen Kater namens Paul? 


Diese Paul-Sache wirft doch einige Fragen auf...

1 Kommentar:

Kalliope hat gesagt…

Ist ja verrückt...ich kenne gleich zwei Ralphs, die so unglaublich herzliche Menschen sind, die ich unheimlich schätze und sehr gern habe. Und einen Sascha, der auch ein ausnahmslos netter Mensch ist. So unterschiedlich kann das mit den Namen sein... Dafür kann man mich zum Beispiel mit dem Namen Alexander jagen und ich musste mich sehr überwinden, einem neu kennen gelernten Alex nicht mit zu großen Scheuklappen zu begegnen und mich auf ihn als Menschen einzulassen (und mittlerweile festzustellen, dass Vorurteile das Leben sehr schwer machen, denn der "neue Alex" ist so gar nicht wie all die Alexanders, die ich zuvor kennen lernen musste). Irgendwie gar nicht so einfach, man bildet sich doch gern seine vorgefertigte Meinung, teilt in Schubladen ein, vereinfacht... Dabei sind wir beiden doch das Paradebeispiel dafür, dass z.B. auch so "Modenamen", die in manchen Jahrgängen so unwahrscheinlich oft vergeben wurden, dass es in jeder Häusersiedlung mindestens noch zwei weitere "von uns" gibt, eben doch nicht in Schubladen passen... Trotzdem kann ich wohl niemals unbefangen einem Kevin oder einer Jacqueline begegnen... Tja...darüber mache ich mir gerade sehr viele Gedanken, immerhin brandmarken wir ja auch bald ein junges Lebewesen auf ewig mit einem Namen... Übrigens: Paul ist gerade ein sehr beliebter Vorname für Jungs, war die letzten beiden Jahre immer in den Top Ten (was ihn für mich schon mal kategorisch ausschließt, denn ich habe es früher gehasst, dass so viele so heißen wie ich). Und mein Urgroßvater hieß Paul. Auch ein ganz unwahrscheinlich lieber Mensch...