2012/03/28

das elektronische Buch - für Buchliebhaber schwer vorzustellen...

eBook-Reader boomen. Auch ich freue mich über meine kindle-App am iPad und nutze es häufiger als ich dachte. Vor allem, dass ich ein Buch (für wenig Geld, wenn englisch) jederzeit und sofort haben kann, ist eine unglaubliche Versuchung, der ich gerade sehr häufig erliege.

Momentan erfreue ich mich hier hauptsächlich "kleinerer", "leichteren" Stories, für's nebenher lesen.

Was ich am eBook mag?

  • dass ich - wenn unterwegs - nicht nur ein Buch dabei hab, sondern viele. 
  • dass ich - je nach Situation - Schriftgröße und Kontrast der Darstellung variieren kann
  • dass, wenn ich ein Buch ausgelesen hab, ich mir gegebenenfalls SOFORT die Fortsetzung oder ein anderes Buch des Autoren kaufen kann 
  • dass viele englische eBooks unter 5€ kosten, einige sogar unter 1-2€ und mit einem integrierten Wörterbuch trauen sich sicher mehr an fremdsprachige Bücher.
  • dass ich mir vorher unentgeldlich  und ebenfalls sofort eine Leserpobe schicken lassen kann und mir direkt ein Urteil bilden kann
  • dass viele Autoren es so kostengünstig schaffen können, zu veröffentlichen und so viele tolle Geschichten mehr eine Leserschaft finden können (das funktioniert schon sehr gut auf dem US-Markt)
Nichtsdestotrotz etwas fehlt...

Großartige Geschichten möchte ich nicht NUR virtuell haben. Die möchte ich auf Papier haben, mit dem Geruch und dem Umblättererlebnis, das Rascheln, das Cover befühlen, das Über-die-Seiten-Streichen, das Aufklappen und beim Lesen eine Hand auf der Seite haben, um dem Buch "nahe" zu sein...

Aber ich denke, dass wird auch nicht das Hauptgeschäft sein. eBooks werden sich als Fachliteratur und als Schnupperliteratur durchsetzen - für die Bücher, die man tauscht und nebenher liest. Die kleinen, seichten "Nebenherbücher". Für das "Neue-Autoren-Entdecken" und das "Genre-Fremde-Mal-Eben-Reinlesen". Für die Urlaubsliteratur. Für die InterpretationsBücher (wegen den Notizen). Für jeden was anderes. Wieso? Weil es sich - wenn es "günstiger" ist -, und sich eben genau für jeden anders perfekt eignet.


Wird es die PapierBücher ersetzen? Ich hoffe nicht und ich denke, dass es das nicht wird. Buchliebhaber lassen sich nicht einfach das Buch aus der Hand nehmen. Ich sehe es als Zusatzquelle. Wie oft habe ich in einem Sachbuch nach einer Information gesucht, Inhaltsverzeichnisse gewälzt, zig seiten aufgeschlagen und doch nicht gefunden, was ich suchte - das kann das eBook besser. Wie oft habe ich schon virtuell einen neuen Autoren entdeckt, aber sein Buch nirgendswo außer bei Amazon in sonst einem Shop gefunden und dann der Gedanke- brauche ich noch einen Staubfänger? Will ich das jetzt wirklich bestellen?
Gedanken, die ich seit dem iPad-Lesen nicht mehr hatte....

Es gibt ein paar Dinge, die ich besonders am iPad-Lesen mag (hauptsächlich per kindle-App):
  • die Umblätteranimation: total sinnlos, aber dem Leseerlebnis sehr zuträglich und deswegen wieder extrem sinnvoll
  • die Gestensteuerung: weniger sinnlos, weil intuitiv - und wenn auch nicht 100%-ig, aber doch sehr nah an der tatsächlichen Geste. - Umblättern macht Spass, genau wie beim analogen Buch. Extrem wichtig für das meinige Leseerlebnis!
  • die Steuerung der kindleApp bzgl. Anzeige, Helligkeit, Schrifzgröße etc - einfach und nicht störend. Ich kann problemlos abends/nachts ohne extra Lampe lesen, genau wie ich in der Sonne den Kontrast erhöhen kann. (Ja ich weiß, nicht gut für die Augen, aber sehr gut für den Partner, der schon schlafen will, aber nicht ohne einem im bett einschlafen kann)
  • die "Übersetzungshilfe" - von mir relativ wenig gebraucht, aber liefert manchmal sinnvolle Ergänzungen. Auch dass ich nicht extra nachgucken muss, sondern durch einfaches Markieren sofort das Ergebnis kriege - Super! - Für alle "ErstFremdsprachenleser" ein echtes Plus.
  • Das extrem einfache "Lesezeichen-setzen": ich habe in der kindle-App noch nie eine Seite nicht sofort wiedergefunden, während ich schon oft vergessen habe mein analoges Lesezeichen an die richtige Position umzuversetzen. 
  • Ich kann etwas nebenher googeln, gleich etwas posten, jemanden vom Buch berichten, ans Herz legen oder warnen oder sonstwie etwas mitteilen. Wenn ich am iPad lese, bin ich keine Insel mehr, bzw. ich kann wählen eine zu sein. Mein iPad kann nebenher Musik spielen, ich kann mich über den Autoren informieren und vieles mehr. Kurz: ich bin interaktiver. 
  • erstaunlicherweise - mit der richtigen Kontrasteinstellung (ich lese am liebsten braun auf gelblichen Grund) strengt mich das iPad lesen extrem weniger an, als sonstiges Display lesen.
Was mich stört:
  • Ich bin ablenkbarer. Ich kann jedes Pupsel nachschauen, was mich sonst - weil ich ja ein entspechendes Gerät holen müsste - dann doch nicht SOOOOO interessiert. 
  • Das Gewicht - klingt komisch, ist aber so. Mein iPad hat einen Umschlag zum Aufklappen, weil ich viel drauf lese und es so näher ans analoge Lese-Erlebnis rankommt. Ich kann es ähnlich auf meinem Schoß platzieren und auch mit der Leselotte geht es ganz gut (ohne den Leselotten-Buchumschlag), allein es ist leichter und damit fühlen sich manche Lesepositionen komisch an.
  • Man kann es nicht knicken! Ähnliches Problem wie oben, die Lesepositionen ändern sich!
  • Der Akku am iPad ist ein Problem. Auch bei niedriger Helligkeit, was inDoor eher positiv ist, hält es nicht ewig. Lese ich viel, lade ich mein iPad fast täglich - nachts - auf. Das ist beim eBook-Ink-Reader besser.
Mein Fazit:

Ich bin ein Buchliebhaber und werde es immer bleiben, aber ich schaue über den Tellerand und finde - mehr:

Das Lese-Erlebnis ist anders. Nicht schlechter, aber anders. Interaktiver, mehr im wir, aber manchmal auch dadurch vielfältiger.
Ich suche mir den "Lesestoff" nicht mehr so gezielt nach Rezensionen aus, sondern lese kurz rein. Dieses Reinschnuppern ist echt eine super Sache, wie oft war die Story super aber ich bin mit der Übersetzung oder der Sprache des Autors nicht klar gekommen - passiert. Ist dann nur schade.. Ja, kann ich auch im Buchladen, aber dann bin ich dort, das kann ich nicht mal eben auf dem Balkon, oder abends auf dem Sofa, oder im Zug, in der Straßenbahn.
Insgesamt lese ich wieder mehr, weil überall und immer das, was meiner Stimmung entspricht. Ich lese vielfältiger!

Ich lese Wunschbücher und tolle Bücher analog: Die WILL ich HABEN: spüren, riechen, anfassen - benutzen. - Außerdem kann ich das in der Badewanne lesen, da ist das iPad doch etwas gefährdet.
Ich finde neue Autoren und Gerne per eBook und lese zwischendurch digital und noch viel häufiger in einer Fremdsprache. 

Wird es sich durchsetzen? 
JA, definitiv. Hat es schon. Angeblich hat Amazon in den USA letztes Jahr mehr Bücher digital als analog umgesetzt. [Quelle]
Wird es das Buch ersetzen? 
NEIN, wieso auch? Das Buch ist als solches perfekt. Aber es wird unseren Umgang und seine Wertschätzung beeinflussen und das durchaus zum Positiven! 

1 Kommentar:

Kalliope hat gesagt…

Ich bin ja schon oft skeptisch, denn ich liebe es einfach, Bücher in der Hand zu halten, über ihre Seiten zu streichen, sie umzublättern (ich bin einfach bibliophil, das gebe ich gern zu), aber manchmal denke ich schon, dass es sehr praktisch ist, gerade die Markierfunktion - das wäre für die Uni genial, denn die ausgeliehenen Bücher kann ich ja nicht anmalen. Und man kann sooooooo viele Bücher mit sich "herum schleppen", ohne dass die Tasche einem die Schulter einschneidet... Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte gar keine Bücher mehr in den Regalen stehen? Nein, das geht gar nicht. Aber so als Ergänzung ist das bestimmt gar nicht so schlecht.