2012/03/08

Frauentag - nicht unbedingt NUR ein Feiertag der Emanzipation





Mein Vater hat nur Weibsen zu Haus: Seine Frau, zwei Töchter, seine Schwiegermama (wenn auch nicht im, dann immerhin nicht weit davon) und zu allem Überfluss noch die Hündin. Er hat sich ganz gut arrangiert. Und auch wenn mein Paps weder besonders machohaft noch besonders unmännlich ist, hat mein Paps noch NIE den Frauentag verpennt.
Vielleicht weil er im Osten aufgewachsen ist, vielleicht weil er im Ingenieurberuf wenige Mitarbeiterinnen hat und auf diese ist besonders zu achten, und vielleicht auch einfach, weil seine Arbeitskollegen ihn somit darauf aufmerksam machen.

Der Grund ist egal, aber seitdem ich Teenager bin, hat er mir, wie meiner Mutter, meiner Schwester und meiner Oma ein Buch geschenkt. Ein Besonderes, von ihm sorgsam ausgewähltes.
Jetzt mag es klischeehaft klingen, dass mein erstes Frauentagsbuch ein Kochbuch war - für asiatische Küche. Für mich war es ein Buch der Selbstständigkeit, denn bis dahin hatte ich mir Essen nur gewünscht und mitgekocht, ab da habe ich aktiv an der Essensplangestaltung teilgenommen und verändert.
Die ersten Male hat mein Vater mit mir gekocht und mich angelernt, später war er dann nur noch Hilfskoch und kurze Zeit später habe ich ihn dann aus der Küche - meinem Arbeitsbereich - verbannt. Da war ich dann 13.

Ich habe später kaum mehr Kochbücher geschenkt bekommen, eher so Bücher, die meinen Horizont erweiterten, kleine philosophische Perlen. Eine Art von meinen Vater mir Anregungen zu bringen, mich einer weiteren Welt zu öffnen. Manchmal sind es leise Bücher, manchmal laute, aber immer steckt sorgfältige Auswahl dahinter, auch wenn es ganz manches mal einfach so GAR nicht meinen Geschmack trifft.
Diese Sorgfalt in der Auswahl wird jeder Frau der Familie angedacht, und auch wenn ich nicht mehr zu Hause wohne und diese Tradition nicht von meinem Held geteilt wird, erreicht mich mein Buch per Post, gesichert und immer pünktlich.

Es müssen nicht immer Blumen sein und der Frauentag muss nicht immer ein Tag der Emanzipation sein. So wie der "Männertag" genutzt wird, um den "Mannsein" zu fröhnen (egal, ob der nun einen komplett anderen christlichen Hintergrund hat), sollte der Frauentag ein Tag sein, an dem man einfach mal Danke sagt, nicht für die Vorurteile sondern individuell den Frauen seiner Umgebung damit sagt: "Hey danke, du bereicherst mein Leben/Arbeitswelt/Gedankenwelt. Ich freue mich, dass es dich gibt."

Denn auch wenn Frauen in der Politik, in der Wirtschaft auf hohen Positionen noch fehlen, geht es an diesem Tag weniger um Emanzipation und den Kampf der Gleichberechtigung, als um das Verständnis was Frauen trotz der modernen Zeit leisten, sie zu unterstützen und einfach mal festzustellen, das machst du toll, weiter so. Denn meistens sind Frauen die, die in der Gesellschaft die leisen, feinen Zwischentöne setzen, die niemand hört, die aber doch so wichtig sind.

- Kein Vorurteil, sondern eine aktive Beobachtung, einer, die vielleicht nicht so gut in diesen Zwischentönen ist, aber die das sehr wohl sieht. -


PS: Der Muttertag wird in meiner Familie von den Kindern an die Mama begangen, da ist mein Vater praktisch außen vor, wird er eher mit einbezogen.,...

PPS: Dieses Jahr gab es eben jenes Buch:


Das Limonenhaus - Stefanie Gerstenberger -  Diana Verlag - 2009 - ISBN-10: 3453354281 - ISBN-13: 978-3453354289


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