2012/02/09

John Green's "The Fault in our Stars" und die Leichtigkeit der universellen Fragen des Lebens



Ich habe hier ja schon hin und wieder auf den meiner Meinung nach "unterlesenen" Autoren John Green hingewiesen, dessen größte Leistung für mich immer wieder die ehrlichen/authentischen Blicke hinter die Fassaden von den "merkwürdigen" Zeitgenossen ist, die wohl jeder so in seinem Umfeld hat, aber nie wahrgenommen hat.

 Ja, John Green schreibt Jugend-Bücher - Young Adult nennt sich das in seiner Originalsprache - und dennoch bewegen mich seine Figuren mehr als in manch anderen Büchern mit "schwereren Inhalt".

 Außerdem bloggt John Greenn, er twittert und facebookt und versucht mit dem Projekt "DFTBA" ("Don't forget to be awesome") mehr "Awesome- in die Welt zu tragen. Ganz nebenbei unterhält er dazu mehrere YouTube Channel zusammen mit seinem Bruder Hank, als Vlogbrothers.

 In seinem letzten Buch, das gerade erst herausgekommen ist, widmet er sich einem schweren Thema, wie immer in äußerst authentischer Form. Seit 2008 war er mit Jung-YouTube Vloggerin Esther Earl befreundet. Esther war jung, hatte Krebs und hatte sich auf die Fahnen geschrieben, der Welt zu zeigen, dass der Krebs sie nicht identifizierte sondern das Krebs eine Nebenerscheinung ihres Lebens war. Esther machte den Betroffenen und Angehörigen Mut, einfach durch ihre Art zu sein.

 Die größere Inspiration war aber wohl, so sagt er, seine (kurze) Zeit als Seelsorger eines Kinderkrankenhauses. Seitdem schwirrte diese Geschichte in seinem Kopf, aber es hat eben Jahre gedauert, diese wirklich aufzuschreiben... Seine Hauptfigur Hazel ist somit nicht die literarische Version von Esther, nichtsdestotrotz widmete er ihr sein Buch.

 Und so schrieb John Green ein Buch über eine Krebspatientin, aber eigentlich über eine Hauptfigur, Hazel Grace, die eben zufällig Krebs hat.

Worum gehts?
 Die Geschichte dreht sich um zwei 16-Jährige, die sich bei einer KrebsSelbsthilfegruppe kennenlernen, weil jugendliche Krebspatienten ja - laut ihren Eltern besonders gefährdet sind depressiv zu sein. Erzählerin Hazel Grace Lancaster leidet an Schilddrüsenkrebs. Zwar wachsen Dank eines Medikamentes die Tumore aktuell  nicht weiter, aber ihre Lungen sind so verwüstet, dass sie stets zusätzliche Beatmung durch ein bewegliches Sauerstoffgerät benötigt - ihr ständiger Begleiter. Ihre Krankheit bringt es auch mit sich, dass sie sich sehr zurückzieht. Und da ist der lebensfrohe, kommunikatitive Gus - Augustus Waters - dessen bösartiger Knochentumor schon ein Bein einforderte.

Diese zwei verwandten Seelen teilen nicht nur ihren Sinn für schwarzen (manchmal reichlich respektlosen) Humor, sie sind voller Charme und natürlich verlieben sie sich. Doch diese Liebesgeschichte steht nicht nur unter dem ernsten Stern pubertärer Lebensphilosophie, im Falle von Gus und Hazel sind sie reell und wirklich mit den universellen Fragen des Lebens konfrontiert: "Wie bleibe ich in Erinnerung? Hat mein Leben - mein Tod einen Sinn? Was ist meine Bedeutung im Leben?"

  Wieso?
 Eigentlich ist es kaum möglich die Story des Buches wiederzugeben, ist sie doch soviel mehr als die eigentliche Geschichte der zwei Hauptfiguren. Schon immer gelang es John Green die wichtigen Momente dieser Jugendphase so real und echt aufzugreifen, ohne eine cheesy Love Story zu schreiben. Dieses Mal gelingt es ihm ein Buch über Krebs zu schreiben, in dem die Hauptfiguren eben aus Versehen so Krebs haben und das halt so zu ihrem Leben gehört. Er versteht, das Krebs nicht ihr Leben ist, diese Sichtweise verändert diese Geschichte so sehr...

 John Green schrieb ein gefühlvollen, manchmal düster ehrlichen Roman mit der perfekten Mischung aus Leichtigkeit und Emotion, der sich doch mit den großen Themen unseres Daseins befasst: Leben, Tod und Liebe. Und doch ist dieser Roman so anders, so gut, so nicht düster. John Green hat seine Figuren begriffen und wahrscheinlich noch so viel mehr.

Der Titel ist übrigens ein Shakespeare Zitat aus "Julius Caesar" ( Akt I , ii , 140-141): Cassius spricht: "The fault, dear Brutus, is not in our stars,
But in ourselves, that we are underlings."



Wieviel Sterne?
Ganz klar eine Fünf, fast schon eine sechs. Warum keine Sechs? Falsches Genre, zu traurig? Zu jung? Es ist ein tolles Buch mit großen Gefühlen und tollen Ereignissen, schön geschrieben und beinah schon herz-zerreißend. Und trotzdem eine Fünf, wenn auch haarscharf... (Eine sechs ist eben ein "unendliche Geschichte, das ist echt schwer zu erreichen..)

aufgeschlüsselt:
Story: 5 / 6
Sprache: 5 / 6
Charaktere: 6 / 6
Spannung: 5 / 6
fikt.Welt: 4 / 6




John Green "The Fault in Our Stars" - Dutton Juvenile  - [english] - Januar 2012 - ISBN-13: 978-0525478812

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Das klingt nach einem sehr bewegenden und beeindruckenden Buch! Man kann sich das immer gar nicht so recht vorstellen, wie schlimm ein solcher Schicksalsschlag wirken muss, erst recht in so jungen Jahren, wo einem doch die Welt offen stehen soll und plötzlich wird man mit Krankheit und Tod konfrontiert. (Da erscheint mir schwarzer Humor durchaus angebracht.) Ich glaube, dieses Buch muss ich mir unbedingt merken, da ich gern Einblick in Greens tiefes Verständnis seiner Charaktere bekommen möchte.

momo hat gesagt…

Oh ja, empfehle ich. Wird wohl noch ein wenig dauern bis das übersetzt wird... Bisher habe ich auch nur extrem positive Bemerkungen/Rezensionen dazu gefunden, was ich komplett verstehe...