2011/11/23

Jena mag kein Paradies sein, aber Jena ist bunt

Eigentlich ist mein Blog unpolitisch und soll es auch so bleiben.
Aber ich äußere mich oft über meine neue Heimat, die ich im schönen sächsischen Dresden gefunden habe. Eine Stadt, die ich aus tiefstem Herzen liebe.

Aber ich bin 18 Jahre in Jena aufgewachsen. Und es war eine schöne Kindheit und Jugend und das lag nicht nur an meinen Eltern. Ich bin genau in den Plattenbau-Stadtteilen groß geworden, die jetzt so gerne in die Kritik genommen werden.
Ganz besonders sauer bin ich auf diesen Beitrag des ZDF "Extreme-Gewaltbereitschaft", den man ohne Weiteres auch als verdeckte Werbung für Steven Uhly's neues Buch "Adams Fuge" betrachten kann.
Zusammengefasst wird folgendes gesagt: "Jena sei für Menschen mit Migrationshintergund kein Paradies (kleiner Witz dank unseres Bahnhofs Jena Paradies)." Es wird suggeriert Jena sei eine "Nazihochburg".
Es wird gehetzt, der Bericht ist vieles, plakativ, vor allem aber suggestiv und nicht nur aus meiner Sicht KEINESFALLS repräsentativ.

Für mich ist Jena vor allem eine Studentenstadt und wäre ich dort nicht aufgewachsen und wollte dringend weg (wie wohl fast jeder Teenager) hätte ich gerne dort studiert. Jena hat für mich auch den Ruf einer Bildungshochburg. Interessanterweise wird dieser Ruf auf Kosten eines Buches, das Werbung braucht(?), in den Dreck gezogen. Das kann es doch nicht sein. Was mich an diesem Beitrag stört, ist das nicht mal der Versuch von Lösungsansätzen gemacht wird, sondern eben nur Vorurteile verbreitet werden - von einem Autor, der zugibt, sich nicht nach "Jena" und eigentlich nicht in den gesamten Osten zu trauen. Wahnsinn, der Mann hat ja sicher richtig was zu sagen, über Jena und den Osten.

In dem verlinkten Video zeigt man verfallene Häuser, in denen ein paar Extremisten wohl angeblich ihre Pläne geschmiedet haben. Solche Häuser gibt es wohl überall. Punkt. Und noch ein Punkt, klar in Jena gibt es viele Probleme, auch wie überall. Die Mieten sind zu hoch und ein Großteil der Bevölkerung lebt in den Plattenbauviertel, was eben mit der "Geschichte" von Jena zu tun hat. Das heißt ihm Umkehrschluss aber nicht, dass somit die gesamte Jenaer Bevölkerung unzufrieden ist.

Wenn ich "meine alte" Heimatstadt beschreiben müsste, wüsste ich nicht mal ob ich Jena jetzt eher links oder rechts einordnen müßte. Als ich noch klein war, lebte ich in einem Hochhaus, dessen Jugendclub kurz nach der Wende als rechts galt. Der gleiche Stadtteil wählte bei meiner ersten Wahl überwiegend links. Ich hatte Freunde in vielen Stadtteilen und ich hatte nie Angst diese abends/nachts zu besuchen. Ich fuhr als Teenager immer allein Straßenbahn. Gut, ich habe keinen "Migrationshintergrund" und zugegeben ich hatte in Jena wenig Freunde, die einen hatten.
Nichtsdestotrotz habe ich in Bars, Disko im Freundeskreis Menschen kennengelernt, die das hatten. Es schien nie ein offensichtliches Problem. Wie vermutlich in vielen Städten gibt es sicher auch in Jena hin und wieder damit Probleme. Und ich hoffe, dass sich das ändert. Aber das hoffe ich auch für Dresden.

Jena braun? In meinen Augen ist Jena nicht nur durch seine Studenten vor allem bunt und jung mit durchaus historischem Hintergrund. Jena liegt im Grünen und ist für mich trotzdem weltoffen.
Ich hoffe schwer, dass dieser schlecht recherchierte Beitrag nicht den Ruf von Jena vollkommen ruiniert, denn das haben vor allem seine Bürger nicht verdient.

Ein paar Hintergünde und Links zur Story:

EIn paar Beispiele aus der "Bloggerszene" (nicht nur) aus Jena:

1 Kommentar:

Kalliope hat gesagt…

Pauschale Urteile sind so schnell gefällt. Schade, dass selbst im öffentlich-rechtlichen nun solch einseitige Beiträge gesendet werden...