2011/10/26

Jan Weiler: "Mein neues Leben als Mensch"

Jan Weiler hat den wohl bekanntesten, in Deutschland lebenden Italiener zum Schwiegervater: Antonio Marcipane. Aber daran ist er ein bißchen selbst schuld, schließlich hat er ihn in seinen Büchern "Maria, ihm schmeckt's nicht" und "Antonio im Wunderland" fast schon zur (kleinen) Kultfigur gemacht. Und Antonio ist, wie wir aus diesem Büchern wissen, voller Lebensweisheiten - Antonio-Style.

Was die Leser seiner Stern-Kolumnen wissen, dass der Schwiegersohn auch voller Lebensweisheit steckt, bzw. diese aus dem Leben lernt. Jan Weiler geht mitunter atypische Wege, findet die Wahrheit ein klein wenig anders und hat manchmal interessante Sichtweisen auf die Welt. Kurzum die Welt aus Weilers Sicht ist interessant und kurzweilig.

Und deswegen machen seine gesammelten Kolumnen in Buchform auch Sinn, denn eigentlich weil man nach einer Kolumne ein bißchen mehr lesen, denn Weiler's Bücher lesen sich einfach fantastisch. Natürlich könnte man die Kolumnen auch im Stern oder sogar auf Weilers ureigenster Webseite abonnieren - als Newsletter, zum Hören oder einfach beides. Oder aber man liest das Buch und kann einfach überall lesen, was manchesmal nicht ganz zu empfehlen ist, denn bei diesem Buch musste ich mehrfach, öffentlich in der Straßenbahn laut losprusten oder hatte Mühe mich auf dem Fahrtsitz zu halten. Das Leben im Hause Weiler hat so manchesmal die urkomischsten Züge, und manchesmal scheint die Familie Weiler ein endkrasses Familienleben zu haben und dann wieder erinnert es einen merkwürdigerweise sehr ans eigene Zuhause.

Da flüchten adipöse Zwerghamsterdamen, Väter treffen sich beim Zahnspangenhintertragen,
da fantasiert die Tochter über Til Schweiger als Familienvater oder schwärmt gar für vegetarische Vampire, da versucht der berühmte Schwiegervater, die Kinder von der Existenz eines Osterhasen zu überzeugen oder die Gattin erwirbt kurzerhand ein Pferd Dressurreiterzwecken - aber immerhin kann da ja der Gedanke an den nun vorrätigen "Sauerbraten für mindestens ein Jahr im Haus" trösten.
Und dann sind da ja noch die Fragen, die wirklich die Welt - naja immerhin den Autoren - beschäftigt: "Wieso haben ältere Männer keine Haare mehr auf den Waden? Und isst Alfons Schubeck den Fischfond, den er anpreist, eigentlich auch selbst? Warum merken sich Kinder, die auf der Autorückbank eigentlich Kopfhörer tragen, Worte wie «Hackfresse», «Arschkrempe» und «Klapskalli»?

All solchen und noch weiteren wichtigen Fragen stellt sich Jan Weiler, geht weite Wege im Geiste, verirrt sich manchesmal scheinbar im Unwegsamen... Aber genau dann, wenn man sich verwirrt im Nirgendwo wähnt,  hat er uns da, wo er uns hinhaben wollte: Brüllend vor Lachen, egal wo, auch öffentlich, und ab uns zuauch einfach rollend vor Lachen auf dem Boden. Warum? Weil die Welt aus Weiler's Sicht einfach manchmal urkomisch ist. Absolut lesenswert!

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