2011/10/24

Dieter Moor: "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht"

Dass ich ab und zu gerne so "Auswanderungsbücher" ala "Ein Engländer in Paris" gerne lese, könnte der geneigte Dauerleser schon wissen. Dass es diese Genre auch für Deutschland gibt, wußte ich bisher nicht, was - genau betrachtet - auch etwas eindimensional von mir gedacht ist.

Nun ja, Dieter Moor ist Schweizer, einigen bekannt als Schauspieler, war Moderator einer schweizer Sendnung, gern gesehener Talkshow Gast. Irgendwann wurde ihm sein schweizer Leben zu "langweilig" und er fand ein kleines Häuschen auf dem Lande - in Brandenburg. Zugegebenermaßen müsste ich jetzt als Sachse das Buch zur Seite legen, denn "Preußen" und Sachsen, das ist so ein leidiges Thema. Da ich nun aber geborener Thüringer und nur "eingewanderter" Sachse bin, sind also meine Vorurteile dem Völkchen gegenüber auch nur "angeheiratet". (Auch wenn ich natürlich als Thüringer sozusagen die gleichen Vorurteile gegen zum Beispiel Bayern hege, aber das ist eine andere Geschichte.)

Worum geht's?
Dieter Moor zieht nach Amerika, ein kleines "Kaff" im nirgendwo irgendwo vor/nach/hinter/bei Berlin, so ziemlich genau, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Und dort trifft her Moor auf ehrliche Preußen, nicht immer nett, aber immer direkt. Die sagen, wo der Schuh drückt und wenn'se neugierig sind. Er lernt die die liebenswürdigen Verschrobenheiten seiner neuen Nachbarn kennen, geht offen und neugirerig auf diesen Menschenschlag zu. Und das liest sich wahrhaft schön, er scheint vorurteilsfrei, auch wenn der kleine Schweizer in ihm manchesmal staunt und der Leser auch. Er lernt die ostdeutsche Vergangenheit und zum Teil sogar noch die Kriegsvergangenheit des brandenburgischen Ortes kennen, die Vergangenheit aus der Sicht der Menschen und genau dadurch wird das Buch für mich lesenswert.

Ich kannte vorher den Schauspieler Moor nicht als Namen sondern eher als Gesicht, dass mir schonmal im Fernsehen begegnet war. Das Buch macht ihn mir sympathisch. Auch er scheint ehrlich und er kann kritisch mit sich selbst sein.

Wer auch mal über seine "Heimat" neue Einsichten auf humorvolle, durchaus gut geschriebene Weise gewinnen möchte, dem lege ich das Buch ans Herz. Es ist seicht, liest sich leicht und ist hervorragend durch seine kurzen (fast schon abgeschlossene Kapitel) ein perfektes "Straßenbahnbuch". Lesenswert, aber kein Muss, etwas für Zwischendurch.

Kommentare:

Kalliope hat gesagt…

Das klingt in der Tat sehr unterhaltsam. Werde mir das mal vormerken. :-)

Ach ja und wegen Preußen: Das ist ja auch ziemlich relativ...;-) Für die Bayern hier fängt das ja schon halber bei Franken an. Dementsprechend wärst du quasi auch schon Preuße.

momo hat gesagt…

Für die Schleswig Holsteiner is alles unterhalb von Hamburg tiefster Süden,ist eben alles Ansichtssache.