2011/04/10

erwachsen lesen - Gut gegen Nordwind

Mein Paps schenkt mir häufig Bücher, die ich mir selbst nie gekauft hätte. Aber oft geben mir diese Bücher viel, sind sozusagen kleine Lebensphilisophien. So hat mich mein Vater mit Jostein Gaarder bekannt gemacht, der nun einen beachtlichen Teil meines Bücherregals beansprucht. Erst letztes Jahr hat er mir den Messenger von Zusak geschenkt, der es glatt zu meinem Buch des Jahres geschafft hat.

Und dieses Mal hat er mir ein Buch von Daniel Glattauer geschenkt. Interessanterweise fand ich diesmal aber das "Leihbuch" toller.
In unserem "virtuellen" Zeitalter hat wohl schon jeder Erfahrungen mit Internetbekanntschaften gemacht. Genau davon handelt dieses Buch.

Worum gehts?
Eigentlich will Emmi nur ein Zeitschriftenabo kündigen,  doch durch einen Tippfehler landet die E-Mail bei Leo. Und wie das bei Internetbekanntschaften gerne so ist, entflammt zwischen den beiden ein erst zaghafter, aber mit der Zeit immer leidenschaftlicher ( Online)Flirt. 

Was das Buch so Besonders macht? Nun der Autor schafft einfach durch den lesbaren E-Mailverkehr eine zauberhafte Atmosphäre, die völlig ohne Erklärungen oder wirkliches Geschichtenerzählen auskommt und so eine reizvolle Mischung aus literarische Distanz und unverbindlicher Intimität schaffr. Und trotzdem wird diese Geschichte, die eigentlich fürchterlich Klischeehaft klingt, irgendwie fürchterlich erwachsen - real, wirklich und vollkommen ohne Kitsch. Beinahe schon zu echt, wie der Leser am offenen Ende feststellen muss.
 
Trotzdem eine wirkliche Leseempfehlung, denn es ist das wie, das dieses Buch einfach gigantisch macht. Auch wie diese Geschichte funktioniert. Glattauer schafft es sämtlichen Klischees aus dem Weg zu gehen und eine wirkliche reale, echte Lebensgeschichte zu erzählen. Unverblümt, echt und manchmal fürchterlich frustrierend. Und trotzdem einfach zauberhaft.

Wie ich jetzt gesehen habe, gibt es mit "Alle sieben Wellen" einen zweiten Teil, doch bin ich mir unsicher, ob ich mir diese Leseerfahrung verändern will, denn die war einfach zu einzigartig dafür.

1 Kommentar:

Kalliope hat gesagt…

Oh ja, dieses Buch hat mich auch sehr mitgerissen, sehr an eigene Erfahrungen erinnert, manchmal wütend gemacht, mal traurig, mal erheitert. Und am Ende ärgerte ich mich - bis der Ärger verflog, weil es letztendlich ein sehr reales Ende war und man somit Herrn Glattauer nicht böse sein sollte. Denn es war vor allem eins: Menschlich. Real.